| Jennifer Evans |
| 25.08.2026 08:00 Uhr |
Negative Altersbilder machen krank. Wer umdenkt, profitiert. Insbesondere Liebe bleibt lebenswichtig. / © Getty Images/Oliver Rossi
Wenn wir ans Alter denken, verbinden wir es häufig mit Problemen – gesellschaftlichen wie persönlichen. Für Professor Dr. Frieder R. Lang, Leiter des Lehrstuhls für Psychogerontologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), ist das wenig überraschend. »Von Kindesbeinen an erleben wir, dass ältere Menschen krank, gebrechlich, vergesslich oder hilflos sind und wenn wir dann selbst erste Anzeichen des Alterns bei uns bemerken, macht das manchmal eben Angst«, sagt er in einem FAU-Interview.
Negative Sichtweisen auf das Alter wirken wie ein Bumerang – Menschen ziehen sich zurück, geben sich auf oder hören auf, das Leben auszukosten. »Es geht also darum, das Beste aus einem langen Leben zu machen und dies auch zu wollen«, so der Wissenschaftler.
Mit jedem Lebensjahr kommen Krankheit, Verlust und körperliche Einschränkungen hinzu. Viele erlebten diese Herausforderungen als Zumutung, berichtet der Altersforscher in dem Interview. Zugleich erinnert er daran, dass im Leben immer mal wieder Hürden zu bewältigen sind – auch zu anderen Zeitpunkten.
Entscheidend sei die Bereitschaft, neue Denk- und Verhaltensweisen einzuüben: zu erkennen, was man akzeptieren kann – und was sich nicht ändern lässt. Wer sich mit der eigenen Endlichkeit und den Kränkungen eines langen Lebens aussöhne, könne nur gewinnen. Und er habe den Eindruck, »dass wer geliebt wird, auch leben will«. Andernfalls erscheint es nach seiner Beobachtung deutlich schwerer, sich seinen Lebenswillen zu bewahren.
Zugleich warnt Lang vor einer verklärten Sicht, nach der Krankheit, Sterben und Tod ausschließlich ins Alter gehören. »Das trägt zu dem Irrtum bei, dass nur die letzte Lebensphase besonders bedrohliche Gesundheitsrisiken birgt. Diese Risiken haben wir aber tatsächlich in jeder Phase unseres Lebens.« Viele unterschätzten zudem, dass trotz chronischer Erkrankungen heute oft eine lange Phase guter Lebensqualität möglich sei.