| Jennifer Evans |
| 13.01.2026 07:00 Uhr |
Vielen Senioren fällt nicht nur das Gehen schwer, sie haben zusätzlich Seh- oder Hörbeeinträchtigungen. Wichtig ist eine angepasste Kommunikation, die Barrieren abbaut und Vertrauen schafft. / © Adobe Stock/belahoche
Menschen mit Behinderungen haben das Recht auf eine gleichberechtigte und diskriminierungsfreie gesundheitliche Versorgung. Eine angepasste Kommunikation für jede Beeinträchtigungsform ist daher elementar, um Begegnungen auf Augenhöhe zu ermöglichen. Wie dies gelingen kann, hat das Gesundheitsreferat der bayerischen Landeshauptstadt München in einem Leitfaden für den medizinischen Alltag zusammengefasst und nach Art der Beeinträchtigung aufgeteilt.
Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen haben neben Orientierungsproblemen häufig auch kommunikative Schwierigkeiten. Da Gestik und Mimik nur eingeschränkt wahrnehmbar sind, sollten sich Apothekenmitarbeitende immer persönlich vorstellen, ihren Namen nennen und ankündigen, wenn sie einen Handschlag anbieten. Blickkontakt ist wichtig, da Betroffene sofort spüren, ob man in ihre Richtung spricht oder nicht. Vermeiden sollte man jedoch, vor Fenstern, Lampen oder der Sonne zu stehen, da starkes Gegenlicht blendet und man für das Gegenüber im Schatten kaum erkennbar ist.
Gut ist es, jede Geste mit Worten zu begleiten, etwa: »Ich zeige auf die Tür rechts von Ihnen« oder »Direkt vor Ihnen steht ein Sessel«. Blinde Menschen sollten nie frei im Raum stehen, ohne ihnen Halt wie einen Stuhl anzubieten. Jeder, der den Raum betritt oder verlässt, sollte dies mitteilen. Und Türen nicht halb offen stehen lassen sowie Stühle ganz unter den Tisch schieben, um Stolperfallen zu vermeiden. Allgemeine Warnungen wie »Vorsicht« helfen Betroffenen wenig – stattdessen lieber konkret die Gefahren beschreiben: »Vor Ihrer rechten Hand steht eine Kaffeetasse.«
Wenn man Gegenstände wie ein Trinkglas oder ein Medikament auf einem Tisch abstellt, sollte man dies stets ankündigen. Auch bei einer Impfung ist es zentral, vorab mitzuteilen, welcher Arm behandelt wird. Sind mehrere Personen anwesend, sollte man blinde Menschen mit ihrem Namen ansprechen, damit sie wissen, wenn sie gemeint ist.
Große, serifenfreie Schrift auf weißem, mattem Papier erleichtert die schriftliche Kommunikation; handschriftliche Mitteilungen gelingen am besten mit schwarzem Filzstift.