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Empathie und Respekt
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Menschen mit Behinderung verstehen und beraten

Sensible Kommunikation ist für die Patientensicherheit, Adhärenz und das Vertrauen zentral. Besonders Menschen mit Seh-, Hör- oder psychischen Beeinträchtigungen sind auf klare, respektvolle und strukturierte Sprache angewiesen. Ein Leitfaden für medizinisches Personal gibt Tipps für den Versorgungsalltag.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 13.01.2026  07:00 Uhr

Beratung von Hörbehinderten

Bei Hörbehinderungen reichen die Ausprägungen von leichter Schwerhörigkeit bis zu vollständiger Taubheit. Nicht alle betroffenen Menschen können Lippen lesen. Langsam und deutlich zu sprechen ist daher sinnvoll, aber: nicht lauter als nötig – sonst verzerrt sich das Mundbild. Zusätzlich können Gestik und Mimik das gesprochene Wort unterstützen. Kurze Sätze, Gesprächspausen sowie angekündigte Fragen oder Themenwechsel erleichtern ebenfalls das Verstehen. Hilfreich ist es auch, keine Fremdwörter zu nutzen und Hochdeutsch zu sprechen.

Da Rufen oder Türklopfen oft nicht wahrgenommen wird, empfiehlt es sich, Menschen mit Höreinschränkungen leicht an Schulter oder Arm anzutippen, bevor das Gespräch beginnt. Wichtig ist, sie nie von hinten zu berühren – das kann sie erschrecken. In Gruppensituationen sollten alle nacheinander sprechen. Und am Ende die wichtigsten Informationen unbedingt noch einmal schriftlich festhalten.

Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen

Auf Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen kann schon ein Apothekenbesuch belastend wirken. Ihre Symptome können sich verstärken, das Selbstbewusstsein sinken und die Sensibilität für diskriminierendes Verhalten steigen. Ein respektvoller und wertschätzender Umgang ist von großer Bedeutung. Auch wenn die Wahrnehmung von der eigenen abweicht, sollte das Apothekenteam die Wirklichkeit der Person nicht verharmlosen oder gar verneinen.

Körperliche Beschwerden müssen ernst genommen und dabei unbedingt Floskeln vermieden werden. Werden nämlich körperliche Symptome falsch gedeutet, können Fehldiagnosen und damit die Abgabe falscher Medikamente schwerwiegende Folgen haben.

Aktives Zuhören, Nachfragen und das Spiegeln von Bedürfnissen helfen, Missverständnisse zu vermeiden. Viele Betroffene haben womöglich Erfahrungen mit Behandlungen ohne Einwilligung gemacht und reagieren vielleicht misstrauisch. Eine zugewandte, höfliche Haltung sowie frühzeitige Gespräche über notwendige Schritte fördern das Vertrauen und sind zugleich bedeutsam für den Behandlungserfolg. Das Prinzip »erst reden, dann handeln« hat sich bewährt.

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