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Neues Coronavirus

Mensch-zu-Mensch-Übertragung bestätigt

Die durch neuartige Coronaviren verursachte Lungenkrankheit kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Auch Krankenhauspersonal ist infiziert. China meldet einen vierten Todesfall und die WHO beruft einen Notfallausschuss ein.
PZ/dpa
21.01.2020
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Am Montag hatte  ein Expertenteam der chinesischen Gesundheitskommission mitgeteilt, dass auch Pflegepersonal von dem neuartigen Coronavirus mit dem Kürzel 2019-nCoV betroffen ist und die Übertragbarkeit des Erregers von Mensch zu Mensch bestätigt. Der Erreger wurde bei mindestens 15 Krankenhausangestellten in Wuhan nachgewiesen, wo das Virus Ende Dezember ausgebrochen war. Für zwei Fälle in der Provinz Guangdong sei eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen, sagte der Chef des Teams, Zhong Nanshan.

Für Experten ist es ein wichtiger Indikator, ob Ärzte und Pfleger von einer neuen Erkrankung betroffen sind: Infizieren sich viele von ihnen, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine leichte Übertragbarkeit. Usprünglich war man davon ausgegangen, dass sich die Betroffenen auf einem Markt in Wuhan angesteckt haben, wo auch wild gefangene Tiere verkauft wurden.

Die Zahl bestätigter Infektionen insgesamt war Anfang der Woche sprunghaft auf mehr als 220 gestiegen. Auch wurden erste Erkrankungen in Thailand, Japan und Südkorea nachgewiesen. Wie die Gesundheitsbehörde der zentralchinesischen Metropole Wuhan am Dienstag mitteilte, starb ein 89-Jähriger Mann, der mit dem Coronavirus infiziert war, bereits am Sonntag im Krankenhaus. Damit sind seit dem Ausbruch der Krankheit vier Todesfälle in China bestätigt. Der Patient litt demnach bereits an Vorerkrankungen, darunter ein Herzleiden und Diabetes. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief wegen der neuartigen Lungenkrankheit in China ihren Notfallausschuss ein. Die Experten sollen am Mittwoch darüber beraten, ob eine Gesundheitsnotlage ausgerufen werden soll, wie die WHO am Montag berichtete. Diese unabhängigen Experten empfehlen auch Maßnahmen, die möglicherweise ergriffen werden sollten. Ruft die WHO einen internationalen Gesundheitsnotstand aus, empfiehlt sie damit schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche. Dazu können unter anderem Grenzkontrollen und das Einrichten von spezialisierten Behandlungszentren gehören.

Mit der gerade laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Übertragung des Virus. Bei der größten jährlichen Völkerwanderung sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs. Asiatische Nachbarn und mehrere Flughäfen in anderen Ländern weltweit haben wegen der neuen Lungenkrankheit inzwischen Fieberkontrollen bei der Einreise aus Wuhan eingeführt.

Auch Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping schaltete sich am Montag erstmals in die Gesundheitskrise ein und gab Anweisung, die Ausbreitung der Krankheit energisch einzudämmen. Die Sicherheit der Menschen und ihre körperliche Gesundheit habe «absoluten Vorrang», zitierte ihn das Staatsfernsehen.

Analysen des Erbguts hatten dem Berliner Virusforscher Professor Dr. Christian Drosten zufolge ergeben, dass es sich bei dem Erreger um eine S'ARS-Variante handelt. Ein SARS-Virus hatte von China ausgehend 2002/2003 eine weltweite Pandemie mit 8.000 Infizierten zur Folge, etwa 800 Menschen starben.

Das Robert-Koch-Institut hat auf seiner Website bereits Empfehlungen für den Umgang mit dem neuartigen Erreger herausgegeben.

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