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WHO-Plattform

Mehr Transparenz bei Arzneimittelpreisen

In einem Forum der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird heiß darüber diskutiert, wie in Zukunft die Preisgestaltung im Arzneimittelmarkt fairer werden kann. Die Plattform betreibt die WHO zusammen mit der südafrikanischen Regierung, um den Informationsaustausch zwischen Ländern rund um den Globus mit Blick auf den Arzneimittelmarkt zu fördern. Einige Ansätze sind vielversprechend.
Jennifer Evans
18.04.2019
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Nach WHO-Angaben sollen auf der Plattform vor allem offene Diskussionen zwischen verschiedenen Akteuren aus der Gesundheitsbranche stattfinden, darunter sind auch Regierungen, Organisationen und die pharmazeutische Industrie. Ziel sei es, Strategien zu entwickeln, um die Arzneimittelpreise weltweit in Schach zu halten. Auch soll künftig der Zugang zu Medikamenten für alle verbessert werden. Die Diskussionsteilnehmer hätten nun insbesondere gefordert, dass die Kosten für Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln transparenter werden, damit man bessere Arzneimittelpreise aushandeln könnte, heißt es.

Für Entwicklungsländer sind die Kosten für Arzneimitteln schon lange ein Problem. Mittlerweile sei es aber ein weltweites, betont die Organisation. Demnach rutschen jedes Jahr 100 Millionen Menschen in die Armut, weil sie ihre Medikamente aus eigener Tasche finanzieren müssen. »Medizinische Innovation hat wenig sozialen Wert, wenn die meisten Menschen davon nicht profitieren können«, so Mariângela Simão, die bei der WHO für Arzneimittel und Medizinprodukte zuständig ist. Es gehe hier um ein Menschenrechtsthema, denn jeder müsse Zugang zu qualitativ guter Versorgung haben.

Laut WHO entsprechen die Produktionskosten der meisten Medikamente, die auf der sogenannten WHO Essential Medicines List stehen, lediglich einem Bruchteil des endgültigen Preises, den Regierungen, Patienten und Krankenversicherungen schlussendlich dafür zahlen. Diese Liste enthält unentbehrliche Wirkstoffe und Zubereitungen, die zum Versorgungsstandard gehören sollen.

Aus den Forumsdiskussionen geht demnach hervor, dass viele Länder mit niedrigem bis mittlerem Einkommen oft höhere Preise zahlen als reichere Staaten. Es herrsche bei den Diskutanten aber ein Konsens darüber, dass durch den Austausch über die Ausgaben insgesamt eine größere Transparenz geschaffen werden soll. Die Benelux-Länder haben mit ihren Daten vorgelegt. Der WHO zufolge zeigen sich bereits jetzt Abweichungen zwischen den Preisen, die unterschiedliche Länder für ihre Arzneimittel zahlen.

Auch Lösungsansätze werden auf der Plattform gesucht. Ein Vorschlag ist, dass sich mehrere Länder einer geografischen Region für die Arzneimittel-Beschaffung zusammenschließen, um durch die Abnahme größerer Mengen besser verhandeln zu können. Die Industrie hat sich der WHO zufolge ebenfalls zu Wort gemeldet. Sie will etwa durch Kooperationen helfen, dass der Zugang zu Medikamenten künftig für alle Menschen leichter wird.

In den nächsten Wochen plant die Organisation zudem eine Online-Befragung. So will sie Meinungen und Vorschläge verschiedener Akteure aus der Gesundheitsbranche sammeln. Es soll um die Frage gehen, was faire Arzneimittelpreise eigentlich ausmachen.

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