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ICBC
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Medizinalcannabis zwischen Regulierung und Marktaufbau

Auf einem Panel der International Cannbis Business Conference (ICBC) wurde deutlich: Fehlende Stabilität bremst Investitionen im Medizinalcannabis-Markt. Gefordert werden verlässliche Rahmenbedingungen, mehr Transparenz und engere Zusammenarbeit entlang der Lieferkette.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 21.04.2026  09:50 Uhr

Der pharmazeutische Großhandel nimmt eine zentrale Rolle im Medizinalcannabis-Markt ein, da er als Schnittstelle zwischen Herstellern und Apotheken fungiert, sagte Thomas Porstner, Geschäftsführer beim Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (Phagro) auf der ICBC in Berlin. Entscheidend seien stabile und verlässliche Beziehungen zu Produzenten sowie eine enge Kommunikation mit Apotheken, um die Versorgung bedarfsgerecht zu steuern.

Gleichzeitig hob Porstner hervor, dass Qualität, Spezialisierung und fundiertes Fachwissen entlang der gesamten Lieferkette unerlässlich seien. Nur durch eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten könne eine stabile und nachhaltige Versorgung gewährleistet werden. »Es ist so wichtig, in gutem Kontakt zu sein. Wir benötigen zuverlässige und verlässliche Verbindungen zu Importeuren und Herstellern«, sagte Porstner.

Der Phagro stehe in zentraler Position zwischen den Herstellern und den Kunden. »In dieser Position haben wir eine wichtige Rolle, nicht nur was die Sicherstellung der Qualität der Lieferung, des Transports und der Lagerung angeht, sondern auch im Hinblick auf die Qualität der Kommunikation.« Er betonte, dass es spezialisierte Apotheken im Bereich Medizinalcannabis brauche, denn sie verfügten über umfassende Erfahrung und Know-how. Zudem brauche es erfahrene Vertriebsmitarbeiter und Kollegen, die sich mit Qualität auskennen. Des weiteren seien »vertrauensbildende Themen« und mehr Kenntnisse über die Versorgungssicherheit erforderlich.

Bestehende Regeln können sich jederzeit ändern

Unternehmen müssten zudem mit der Realität umgehen können, dass sich bestehende Regeln im Markt jederzeit ändern könnten, sagte Porstner. Sie sollten nicht darauf warten, dass sich politische oder regulatorische Rahmenbedingungen verbessern. Entscheidend sei eher, dass ein Unternehmen so aufgestellt ist, dass es unabhängig von regulatorischen Änderungen bestehen könne, so Porstner.

Timo Bongartz, Geschäftsführer von Kündig Pharmaceutical Solutions, führte aus, dass aus Kundensicht alle Beteiligten miteinander vernetzt werden sollten, um Transparenz für die Patientinnen und Patienten zu schaffen. »Was wir jetzt brauchen, ist Zeit und Planungssicherheit von den Regulierungsbehörden. Niemand investiert, wenn es unsicher ist.«

Christiane Neubaur, Geschäftsführerin des Verband der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA), ergänzte: »Für uns ist eine enge Zusammenarbeit und ein offener Austausch mit der medizinischen Fachwelt essenziell. Wir sind in Kontakt mit den Apotheken, die die ersten Informationen bekommen über die Probleme, die in der täglichen Arbeit entstehen.«  Zudem erklärte sie, dass die Behandlung mit Cannabis sowohl für Patienten als auch für Ärzte ein »trial and error«, also ein Ausprobieren, sei. Außerdem forderte sie mehr Transparenz bei Zertifikaten: »Wir müssen uns auf diese Zertifikate verlassen können.«

Abschließend betonte Hannah Bellmann, Medical Cannabis Lead bei Medios Pharma, dass es sich um eine vielversprechende Branche handele, die zwar von einem Hype getragen wurde, nun jedoch klare Standards benötige. Langfristiger Erfolg und nachhaltiges Wachstum hänge vor allem davon ab, dass die beteiligten Akteure wissen, was sie tun und eine klare Vision verfolgen.

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