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Koronare Herzkrankheit

Medikamente genauso gut wie Herz-OP

Stents und Bypässe sind nicht besser als eine medikamentöse Therapie. Zu diesem Schluss kommt die ISCHEMIA-Studie, die kürzlich vorgestellt wurde. Vielen Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) könnte demnach ein invasiver Eingriff erspart bleiben.
PZ/Aponet (zou)
29.11.2019
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Bei einer Erkrankung der Herzkranzgefäße, bei der die Durchblutung des Herzmuskels vermindert ist, werden Patienten häufig operiert und erhalten einen Bypass oder einen Stent, um die Blockade zu beseitigen. Eine neue Studie der Universität Stanford in Kalifornien mit dem Namen ISCHEMIA zeigt nun, dass eine OP oft überflüssig ist: Mit Medikamenten und einer gesunden Lebensweise lassen sich ähnlich gute Ergebnisse erzielen.

KHK-Patienten werden in der Regel mit Plättchenhemmern und Statinen behandelt. Je nach Ausprägung und Komorbiditäten kommen Betablocker, ACE-Hemmer oder Sartane dazu. Angina-pectoris-Beschwerden werden mit Calciumkanalblockern und Nitraten behandelt.

Bei Patienten mit einer stabilen koronaren Herzkrankheit, die sich einer Operation unterzogen hatten, traten demnach im ersten Jahr etwa zwei Prozent mehr Herzprobleme auf als bei denjenigen, die nur eine medizinische Therapie erhielten und ihren Lebensstil änderten, berichteten die Forscher kürzlich bei der Tagung der Amerikanischen Herzgesellschaft (AHA) in Philadelphia. Sie führen die zusätzlichen Risiken auf die OP zurück. Im zweiten Jahr zeigten sich keine Unterschiede, und ab dem vierten Jahr traten Herzprobleme bei den operierten Patienten etwa zu 2 Prozent seltener auf. Über die Beobachtungsdauer von sieben Jahren zeigte sich kein klarer Vorteil für eine der beiden Behandlungsstrategien.

Der einzige Unterschied zeichnete sich bei Patienten ab, die vor der Behandlung häufig von Brustschmerzen geplagt wurden: Sie waren nach einer OP zu 50 Prozent schmerzfrei, verglichen mit nur 20 Prozent der Patienten, die lediglich ihren Lebensstil änderten und Medikamente erhielten.

Das Öffnen verstopfter Blutgefäße durch eine OP sei also nicht unbedingt die beste Therapiemöglichkeit. »Für Patienten mit schwerer, aber stabiler Herzkrankheit, die sich diesen invasiven Eingriffen nicht unterziehen möchten, sind diese Ergebnisse sehr beruhigend«, sagte Professor Dr. David Maron, der die Ergebnisse präsentierte.

Die Ergebnisse dieser Studie gelten aber nicht für Menschen mit akuten Herzerkrankungen, wie etwa einem Herzinfarkt. Diese Patienten sollten sofort eine angemessene medizinische Versorgung in Anspruch nehmen.

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