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Neuer CDK4/6-Hemmer

Markteinführung von Abemaciclib

Nach Palbociclib (Ibrance®) und Ribociclib (Kisqali®) ist mit Abemaciclib (Verzenios® 50, 100 und 150 mg Filmtabletten, Lilly) jetzt der dritte CDK4/6-Hemmer auf den Markt gekommen.
Annette Mende
22.11.2018
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Abemaciclib ist indiziert zur Behandlung von Patientinnen mit Brustkrebs vom Subtyp HR+/HER2- und lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung. Der CDK4/6-Hemmer wird dabei stets mit einer endokrinen Therapie, bestehend aus einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant (Faslodex®), kombiniert. Bei prä- oder perimenopausalen Frauen sollte zusätzlich ein LHRH-Agonist eingesetzt werden.

Die beiden Kinasen CDK4 und CDK6 sind Teil der Signalkaskade, die durch die Bindung von Estrogen an seinen Rezeptor in der Zelle angestoßen wird und die letztlich eine Zellteilung triggert. In Tumorzellen sind sie meist überaktiv. Abemaciclib hemmt selektiv CDK4 und CDK6 und unterdrückt dadurch das Tumorwachstum auf einer anderen Stufe als endokrine Therapeutika.

Die empfohlene Dosis von Verzenios beträgt 150 mg zweimal täglich. Die Patientin soll die Filmtabletten möglichst jeden Tag zu denselben Uhrzeiten unzerkaut schlucken. Die Einnahme darf mit oder ohne Nahrung erfolgen, aber nicht zusammen mit Grapefruit oder Grapefruitsaft. Vergisst die Patientin eine Einnahme oder erbricht eine Tablette, soll sie keine weitere schlucken, sondern die Einnahme erst ab der dann folgenden Dosis wie geplant fortsetzen.

Das Blutbild muss vor und während der Therapie regelmäßig überwacht werden. Nebenwirkungen wie Veränderungen des Blutbilds oder der Leberwerte sowie starker Durchfall können eine Unterbrechung und anschließende Dosisreduktion von Abemaciclib erforderlich machen. Die Fachinformation enthält hierzu detaillierte Anweisungen. Prinzipiell soll die Therapie so lange fortgesetzt werden, wie die Patientin klinisch davon profitiert oder bis eine nicht akzeptable Toxizität auftritt.

Schwangere oder Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, dürfen Verzenios nicht anwenden. Bis mindestens drei Wochen nach Abschluss der Behandlung müssen Frauen beispielsweise mithilfe einer doppelten Barrieremethode sicherstellen, dass sie nicht schwanger werden. Auch das Stillen ist unter der Behandlung zu vermeiden.

Abemaciclib wird hauptsächlich hepatisch über CYP3A4 metabolisiert. Bei schwerer Leberfunktionsstörung soll die Dosisfrequenz daher auf einmal täglich gesenkt werden. Wenn die gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A4-Inhibitoren nicht zu vermeiden ist, soll die Dosis von Abemaciclib ebenfalls gesenkt werden. Starke CYP3A4-Induktoren dürfen nicht zusammen mit dem neuen Arzneistoff angewendet werden.

Zulassungsrelevant waren die beiden randomisierten Phase-III-Studien MONARCH 3 mit 493 Teilnehmerinnen und MONARCH 2 mit 669 Teilnehmerinnen. MONARCH 3 verglich die Wirksamkeit von Abemaciclib in Kombination mit einem Aromatasehemmer bei systemisch nicht vorbehandelten Patientinnen mit Placebo plus Aromatasehemmer. Das progressionsfreie Überleben (PFS) betrug in der ersten Gruppe 28,18 Monate, in der zweiten 14,76 Monate. In MONARCH 2 wurde Abemaciclib mit Fulvestrant kombiniert und mit Placebo plus Fulvestrant verglichen. Hier lag das PFS in der Abemaciclib-Gruppe bei 16,4 Monaten und in der Placebo-Gruppe bei 9,3 Monaten.

Die häufigste Nebenwirkung von Abemaciclib ist Durchfall. Patientinnen sollten bei ersten Anzeichen von dünnem Stuhl Antidiarrhoika wie Loperamid einnehmen und die orale Flüssigkeitszufuhr erhöhen. Ebenfalls sehr häufig kommt es zu Infektionen, Neutropenie, Anämie, Fatigue, Übelkeit, Erbrechen, vermindertem Appetit und Schwindel. Patientinnen sollten daher unter der Behandlung mit Verzenios beim Autofahren und beim Bedienen von Maschinen vorsichtig sein, wenn sie unter Fatigue oder Schwindel leiden.

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