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Britisches Dossier

Mangel an Lebensmitteln und Arzneien bei No-Deal-Brexit

In Großbritannien wächst die Angst vor einem No-Deal-Brexit mit schweren Schäden für die Wirtschaft und andere Bereiche. Die Folgen zeigt ein Dokument auf. Doch Premier Johnson beharrt auf seiner Position. Bei einem ungeregelten Brexit rechnet die britische Regierung einem Bericht zufolge mit einem Mangel an Lebensmitteln, Medikamenten und Benzin.
dpa
PZ
19.08.2019
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Darüber hinaus werde von einem mehrmonatigen Zusammenbruch in den Häfen, einer harten Grenze zur Republik Irland und steigenden Sozialkosten ausgegangen, berichtete die »Sunday Times« unter Berufung auf bislang geheimgehaltene Regierungsdokumente. Der britische No-Deal-Beauftragte Michael Gove bezeichnete die Papiere zu den Szenarien eines EU-Austritts ohne Abkommen als veraltet. Sie würden den schlimmsten Fall widerspiegeln. Inzwischen gehe man nur noch von kleineren Hindernissen aus. Zollkontrollen und Megastaus von Lastwagen in Südengland hätten laut den Dokumenten zur Folge, dass weniger frische Lebensmittel vom europäischen Festland nach Großbritannien eingeführt werden könnten.

Britische Patienten müssten länger auf Arzneimittel wie Insulin und Impfstoffe gegen Grippe warten. Ein ungeregelter Ausstieg würde auch zu Verzögerungen für Passagiere an EU-Flughäfen, im Eurotunnel und in der Hafenstadt Dover am Ärmelkanal führen. An der Grenze zwischen der Republik Irland und dem britischen Nordirland wird mit starken Protesten gerechnet, wie die Sunday Times weiter berichtete.

Es handele sich um eine »realistische Einschätzung« dessen, was die Öffentlichkeit im Falle eines No Deal erleben werde, zitierte die Zeitung eine nicht näher genannte Regierungsquelle. Diese Szenarien seien sehr wahrscheinlich und »nicht der schlimmste Fall«.

Das Dossier wurde nach Angaben der Sunday Times vom Cabinet Office zusammengestellt. Das Büro unterstützt Premierminister Boris Johnson und die Minister in ihrer Arbeit. Es wird immer wahrscheinlicher, dass Großbritannien an Halloween (31. Oktober) ohne Abkommen aus der Europäischen Union ausscheidet. Das Parlament ist im Brexit-Kurs nach wie vor heillos zerstritten und eine Lösung nicht in Sicht.

Relevant für die Arzneimittelversorgung hierzulande ist, dass nach einem No-Deal-Brexit Großbritannien als nicht EU-Land keine Chargenprüfungen mehr für den EU-Markt durchführen darf . Die Kommission hat darauf hingewiesen, dass  Ausnahmen und Übergangslösungen möglich sind,  wenn gewisse Auflagen erfüllt sind.

 

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