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Darmkrebs

Männer früher, Frauen länger screenen

Frauen erkranken häufiger als Männer jenseits des 75. Lebensjahres an Darmkrebs, Männer dafür auch bereits vor dem 50. Der Zeitraum des Darmkrebs-Screenings sollte daran angepasst werden, fordern Chirurgen.
Annette Mende
06.12.2019
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Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 60.000 Menschen neu an Darmkrebs. Darunter sind einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge auch immer mehr jüngere Menschen, was in diesem Zusammenhang ein Alter unter 50 bedeutet. Das von den Krankenkassen erstattete Programm zur Früherkennung von Darmkrebs sieht allerdings erst ab dem 50. Lebensjahr regelmäßige Tests auf okkultes Blut im Stuhl vor oder zwei Darmspiegelungen im Abstand von zehn Jahren, wobei Frauen die Darmspiegelung erst ab dem 55. Lebensjahr erstattet wird.

Versicherten jenseits der 75 wird die Vorsorgekoloskopie regelhaft nicht erstattet. Bei Frauen steige die Erkrankungsrate danach aber nochmals an, betont Professor Dr. Thomas Schiedeck, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV). »Wir finden speziell bei älteren Frauen viele große Tumoren im rechtsseitigen Darm, die bei Darmspiegelung und Stuhltests nicht aufgefallen sind. Bei Frauen muss deshalb das Vorsorgefenster verlängert werden.« Bei Männern hingegen beginne die Vorsorge ab dem Alter von 50 Jahren tendenziell zu spät.

Wie aus einer Pessemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie hervorgeht, gibt es zunehmend Evidenz für einen Einfluss des Geschlechts auf die Vorsorge, Diagnostik und Therapie von Darmkrebs. Diese Erkenntnisse haben aber Schiedeck zufolge noch keinen Eingang in aktuelle Strategien gefunden. Außer hinsichtlich des Erkrankungsalters unterschieden Männer und Frauen mit Darmkrebs sich auch bei der Wirkungsweise oder dem Risikoprofil der Chemotherapie sowie bei der Wirksamkeit der Immuntherapie. Auch die Häufigkeit der Erkrankung ist ungleich verteilt: Männer sind mit 7477 Fällen pro 100.000 Über-75-Jährigen deutlich häufiger betroffen als Frauen mit 4438 pro 100.000 Über-75-Jährigen.

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