| Theo Dingermann |
| 06.02.2026 16:20 Uhr |
Inkretinmimetika sind derzeit der Therapiestandard bei krankhaftem Übergewicht. Gentherapeutische Ansätze könnten die Daueranwendung der Medikamente überflüssig machen, sind aber noch lange nicht reif für die Anwendung beim Menschen. / © Getty Images/Jelena Stanojkovic
Den Körper zu einer dauerhaften Produktionsstätte für GLP-1-Agonisten zu machen – das soll laut Presseberichten möglich werden. Tatsächlich arbeiten Biotech-Unternehmen an solchen Konzepten, vor allem die beiden Start-ups, RenBio (Long Island City, New York) und Fractyl Health (Burlington, Massachusetts).
Die beiden Unternehmen entwickeln unabhängig voneinander Gentherapie-ähnliche Plattformen, um Zellen im Körper mit zusätzlicher genetischer Information für die Synthese von GLP-1-Agonisten auszustatten. Beide Ansätze bewegen sich bislang in präklinischen Stadien. Begutachtete Publikationen in internationalen Wissenschaftsjournalen findet man nicht.
Presseberichte greifen vor allem das Versprechen auf, dass künftig eine einzige Injektion genügen könnte, um das Abnehmen ohne kontinuierliche Injektionen von Semaglutid, Tirzepatid und ähnlichen Wirkstoffen zu ermöglichen. Im Vordergrund stehen dabei eine starke und langanhaltende Gewichtsreduktion, die tatsächlich in Tiermodellen gezeigt wurde, sowie die Aussicht, Adipositas und Typ‑2‑Diabetes eher ursächlich anzugehen. Die erheblichen potenziellen Risiken der Ansätze werden dabei meist nur kurz angerissen oder als offene Forschungsfragen beschrieben.
Die meisten Berichte beziehen sich auf den Ansatz von Fractyl Health. Dieses Unternehmen verfolgt einen klassischen gentherapeutischen Ansatz. Der relevante Entwicklungskandidat des Unternehmens trägt die Bezeichnungen GLP‑1 PGTX beziehungsweise RJVA‑001. Es handelt sich um ein AAV9‑basiertes Gentherapeutikum, das eine modifizierte humane GLP‑1‑Sequenz unter der Kontrolle eines modifizierten humanen Insulinpromoters enthält. Dieses Präparat wird Endosonografie‑geleitet über einen Katheter direkt in den Pankreas eingebracht, um nach Aufnahme des Vektors das Inkretinmimetikum in pankreatischen β‑Zellen zu exprimieren.
Die Expression des GLP-1-Analogons ist durch die Spezifität des verwendeten Promotors glucose‑ beziehungsweise nährstoffabhängig (nutrient‑responsive). Damit resultiere, so die Theorie, eher eine physiologische Inkretinantwort als eine konstante pharmakologische Stimulation.
2023 informierte das Unternehmen im Rahmen einer Präsentation auf dem Fachkongress WCIRDC, dass in einem Mausmodell mit diätinduzierter Adipositas durch eine einmalige Gabe von GLP‑1 PGTX im direkten Vergleich mit der konventionellen Semaglutid‑Therapie am Tag 28 eine verbesserte Gewichtsabnahme beobachtet wurde. Nach der Injektion von GLP‑1 PGTX hatten die Tiere im Schnitt 27 Prozent an Gewicht verloren, im Vergleich zu 21 Prozent bei konventioneller Therapie.
Neueste Daten präsentierte das Unternehmen im November 2025 auf der Jahrestagung der Obesity Society in Atlanta.