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Hans-Böckler-Stiftung

Luft nach oben für Tariflöhne im Gesundheitswesen

Auch nach teils kräftigen Erhöhungen der Tarifgehälter im vergangenen Jahr sieht das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in vielen Branchen weiteren Spielraum. Das betrifft auch das Gesundheitswesen.
dpa
PZ
19.02.2020  14:48 Uhr

Im Sozial- und Gesundheitswesen sowie in verschiedenen Dienstleistungsbranchen herrsche bei vergleichsweise niedrigen Löhnen ein großer Arbeitskräftemangel, analysierte Institutsleiter Thorsten Schulten am Mittwoch bei der Vorlage des tarifpolitischen Jahresberichts 2019. Hier wie in weiteren klassischen Niedriglohnbranchen werde es bei den Tarifverhandlungen vor allem um die finanzielle Aufwertung dieser Berufe gehen.

Ganz anders stelle sich die Situation etwa bei der Metall- und Elektroindustrie dar, die bereits in Vorverhandlungen zur nächsten Tarifrunde steckt. Hier sorgten unsichere Konjunkturaussichten und der Modernisierungsdruck eher dafür, dass die Arbeitsplatzsicherung für die Beschäftigten im Vordergrund stehe.

Im vergangenen Jahr hatten die rund vier Millionen Beschäftigten mit den Kernindustrien Auto und Maschinenbau noch die höchsten Gehaltszuwächse für sich verbuchen können, mit einem jahresbezogenen Plus von 4,1 Prozent. Noch stärker profitierten Pflegekräfte der Universitätskliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm, die je nach Erfahrungsstufe eine Lohnerhöhung zwischen 16 und 37 Prozent realisierten.

Im Schnitt gab es für die Tarifbeschäftigten 2,9 Prozent mehr, was nach Abzug der Inflation zu einem realen Einkommensplus von 1,5 Prozent führte. Lediglich 2014 und 2018 habe es nominal höhere Abschlüsse gegeben. Eine immer größere Rolle spielen individuelle Wahlmöglichkeiten zwischen mehr Entgelt oder mehr Freizeit.

Die Apothekengewerkschaft Adexa hatte im Dezember 2019 für das Apothekenpersonal ein Gehaltsplus in zwei Schritten angekündigt: Zum 1. Januar 2020 sind die Löhne demnach bereits um 1,9 Prozent gestiegen. Ein Jahr später folgt eine weitere Erhöhung um1,5 Prozent. Zudem gibt es gemäß Tarifvertrag einen Tag mehr Urlaub als bisher – also 34 statt 33 Tage im Jahr.

 

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