NSAR und COX-2-Hemmer erhöhen den Lithium-Spiegel durch eine verminderte renale Lithium-Clearance. Dabei variiert das Ausmaß der Erhöhung der Serumkonzentrationen zwischen den verschiedenen Wirkstoffen ebenso wie zwischen einzelnen Individuen. Ebenfalls wurden unterschiedliche Zeiträume bis zum Auftreten erhöhter Serumkonzentrationen oder von Symptomen beobachtet.
So zeigte etwa eine Untersuchung an gesunden Freiwilligen unter gleichzeitiger Behandlung mit Celecoxib 200 mg zweimal täglich und Lithium 450 mg zweimal täglich eine Erhöhung der maximalen Serumkonzentrationen von Lithium um circa 16 Prozent und der AUC um circa 18 Prozent. In Einzelfällen war die Lithium-Serumkonzentration aber um 100 Prozent oder mehr erhöht.
Wegen der Gefahr einer Lithium-Toxizität sollte die gleichzeitige Behandlung mit Lithium und NSAR oder COX-2-Hemmern vermieden werden. Das gilt auch für OTC-Präparate etwa mit Ibuprofen oder Diclofenac. Ist die Kombination zwingend erforderlich, sollten die Lithium-Spiegel engmaschig kontrolliert werden und gegebenenfalls eine Dosisanpassung erfolgen. Die Schwelle für Zeichen einer Lithium-Intoxikation ist individuell verschieden – auch bei therapeutischen Plasmakonzentrationen oder geringfügiger Erhöhung können bereits erste Symptome einer Intoxikation auftreten.
Hierzu zählen etwa Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Polyurie und neurologische Störungen wie Schwindel, Tremor, Muskelschwäche oder Vigilanzminderung. Patienten sollten über mögliche Symptome einer Lithium-Intoxikation informiert sein und bei deren Auftreten sofort ärztlichen Rat suchen.
Zwischen Paracetamol und Lithium ist keine Wechselwirkung beschrieben. Die Serumkonzentration wird nicht klinisch relevant beeinflusst. Bei der symptomatischen Therapie von rheumatischen Schmerzen ist zu beachten, dass die Wirksamkeit von Paracetamol den NSAR unterlegen ist und sich der Einsatz auf Ausnahmefälle beschränken soll, etwa bei bestehenden Kontraindikationen gegen NSAR. Es fehlt die antiphlogistische Wirkkomponente der NSAR.
Zwischen Metamizol und Lithium ist im CAVE-Modul des ABDA-Artikelstamms keine Interaktion hinterlegt. Laut Fachinformation ist für die Substanzklasse der Pyrazolone bekannt, dass es zu Wechselwirkungen unter anderem mit Lithium kommen kann. Inwieweit auch Metamizol zu dieser Wechselwirkung führt, ist nicht bekannt. Pharmakokinetische Untersuchungen liegen nicht vor und es gibt keine Daten zur klinischen Relevanz der Interaktion.
Opioid-Analgetika können in der Schmerzbehandlung von rheumatischen Schmerzen zum Einsatz kommen, wenn starke Schmerzen nicht ausreichend durch andere Analgetika therapiert werden können oder Unverträglichkeiten beziehungsweise Kontraindikationen gegen Nicht-Opioid-Analgetika bestehen.
Bestimmte Opioide, vor allem Fentanyl, Tramadol, Methadon und Pethidin, beeinflussen den Serotonin-Spiegel durch Hemmung der Serotonin-Wiederaufnahme. Auch Lithium beeinflusst das serotonerge System auf verschiedenen Ebenen, unter anderem durch Herunterregulation einiger serotonerger Rezeptorsubtypen und Steigerung des Serotonin-Umsatzes sowie eine Verstärkung der Serotonin-Freisetzung. Aus diesem Grund besteht theoretisch das Risiko des Auftretens eines Serotonin-Syndroms bei gleichzeitiger Anwendung.
Daher wird empfohlen, die Patientin bei der Kombination hinsichtlich des Auftretens von Symptomen eines Serotonin-Syndroms zu beobachten. Da es sich um eine sehr seltene Nebenwirkung handelt, können bei starken Schmerzen Opioide in der Schmerztherapie auch bei Lithium-Patienten eingesetzt werden.
Literatur bei den Verfasserinnen
Die Apothekerinnen Dr. Lisa Goltz und Debora Kleine sind in der Arzneimittelinformation UKD der Klinik-Apotheke am Universitätsklinikum an der TU Dresden tätig. Dort unterstützen sie sächsische Apothekerinnen und Apotheker bei fachlichen Fragen im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistung »Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation«. Die Beratung wird von der Sächsischen Landesapothekerkammer finanziert.