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Niedersachsen

Linz will »Spahn an seinen Worten messen«

Wie in den letzten Wochen bereits andere Standespolitiker zeigte sich auch Magdalene Linz auf der gestrigen Kammerversammlung der Apothekerkammer Niedersachsen in Hannover enttäuscht über die Rede von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf dem Deutschen Apothekertag 2018.
Christiane Berg
22.11.2018
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Aufgrund der vorherigen Ankündigungen des Ministers sei sie mit großen Erwartungen nach München gefahren, fest damit rechnend, dass Spahn sich gemäß seinen vorherigen Zusagen konkret zur Weiterentwicklung des Arzneimittelversorgungssystems sowie insbesondere zum Versandhandelskonflikt äußern wird. »Stattdessen hat er es geschickt geschafft, den Ball an die Apotheker zurückzuspielen mit dem Vorwand, er wolle zunächst mit ihnen diskutieren«, zeigte sich die Kammerpräsidentin irritiert.

Nicht nur das: Zwischen den Zeilen sei deutlich geworden, dass es ein Rx-Versandverbot mit Spahn nicht geben wird. »Das Verbot ist juristisch möglich, aber politisch offenbar nicht mehr gewollt«, so Linz. Auch wenn es keine gleichwertige Alternative gebe, die ähnlich effektiv sei: Stur darauf zu beharren, sei zwecklos. »Es macht keinen Sinn, einer Chimäre nachzutrauern. Insofern bin ich froh, dass sich die ABDA aus der Deckung gewagt hat und nicht länger mehr allein auf diese Maßnahme setzen will«, konstatierte sie.

»Jetzt wird alles ganz schnell gehen«: Spahn setze – »sportliche« Ambitionen zeigend – nach Schaffung von Neuregelungen im Pflegebereich nunmehr zum Sprint im Apotheken- und Arzneimittelbereich an, so die Kammerpräsidentin. »Dabei sollte man eines nicht tun: ihn unterschätzen«, sagte Linz. Sei seitens des BMG ein entsprechender Referentenentwurf zum Arzneimittelgesetz bis Ende des Jahres angekündigt worden, so werden die Apotheker an ihrer Forderung nach Gleichpreisigkeit festhalten, machte sie deutlich. Spahn selbst habe Gleichpreisigkeit in der Vergangenheit als conditio sine qua non zur Sicherung der optimalen und flächendeckenden Arzneimittel-Versorgung der Bevölkerung hervorgehoben. »Messen wir ihn an seinen Worten«, sagte Linz.

Die Kammerpräsidentin hob hervor, dass in den anstehenden Gesprächen mit dem Bundesgesundheitsministerium auch über Fragen der generellen Honorierung der Apotheker beziehungsweise der Vergütung spezifischer Dienstleistungen und pharmazeutischer Kompetenzen gesprochen werden muss. »Wir brauchen fachlich und wirtschaftlich Perspektiven. Das sind wir nicht zuletzt auch unseren jungen Kollegen und Kolleginnen beziehungsweise Mitarbeitern in der öffentlichen Apotheke schuldig«, bemerkte sie.

Vor allem aber müssten die Apotheker zum Wohle der Patienten »lauter werden«, die im Focus der pharmazeutischen Versorgung stehen. »Die Patienten brauchen uns. Ohne die Apotheke geht es schlicht und ergreifend nicht«, betonte die Kammerpräsidentin, die sich entschlossen und erfolgreich auch für die Novellierung der Approbationsordnung zum Zwecke der verstärkten Patientenorientierung in der Pharmazie einsetzt. »Es ist wichtig, dass der klinischen Pharmazie endlich mehr Raum gegeben wird«, betonte sie.

Linz hob abschließend hervor, dass Spahn mit Blick auf anstehende Reformen und Gesetzesentwürfe von »einem großen Wurf und großen Schritten« gesprochen hat. »Nur zu, dann wollen wir diese Schritte gehen«, lautete ihr Appell an den Minister. Spahn wird am 11. Dezember die Mitgliederversammlung der ABDA besuchen, um direkt mit den Apothekern über die drängendsten Probleme zu sprechen und seine Pläne zur Weiterentwicklung des Arzneimittelversorgungssystems vorzustellen.

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