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Brexit-Folgen

Liese sieht Menschenleben in Gefahr

Verlässt Großbritannien die Europäische Union ohne Austrittsabkommen, würde das auch die Gesundheitsversorgung auf eine harte Probe stellen. Nach Meinung des CDU-Europa-Abgeordneten Peter Liese stehen damit sogar Menschenleben auf dem Spiel, weil wichtige Krebsmedikamente nicht mehr auf die britische Insel gelangen.
Stephanie Schersch
16.01.2019
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Das Nein im britischen Unterhaus zum Brexit-Abkommen mit der EU hat Europa in helle Aufregung versetzt. Kommt es am 29. März zu einem ungeregelten Ausstieg der Briten, drohen chaotische Zustände auch im Gesundheitswesen. So hatte zuletzt bereits die Pharmaindustrie vor möglichen Engpässen in der Versorgung mit Arzneimitteln auf beiden Seiten des Ärmelkanals gewarnt.

Noch deutlicher wird nun Peter Liese, der als gesundheitspolitischer Sprecher der konservativen EVP-Fraktion im Europa-Parlament sitzt. »Wir müssen leider befürchten, dass Patienten wegen mangelnder medizinischer Versorgung sterben müssen«, sagte er heute. So arbeiteten in Großbritannien zahlreiche Ärzte und Pflegekräfte vom Kontinent, von denen vermutlich viele im Falle eines harten Brexit in ihre Heimatländer zurückkehren würden. »Dadurch wird die medizinische Versorgung, die ohnehin schon schlecht ist, nochmal dramatisch verschlechtert.«

Besonders negative Folgen befürchtet Liese für Krebspatienten, die auf eine Behandlung mit radioaktiven Isotopen angewiesen sind. Diese Präparate würden überwiegend auf dem Kontinent hergestellt, sagte er. Mit dem Ausstieg aus der EU verlasse Großbritannien auch den Euratom-Vertrag, der den Handel mit diesen Arzneimitteln regelt. »Eine Herstellung dieser Isotope innerhalb kurzer Zeit ist in Großbritannien aus technischen und Sicherheitsgründen nicht möglich«, so Liese. Die Befürworter eines harten Brexit spielten daher »mit dem Leben von Menschen«.

Für den CDU-Politiker gibt es nur noch zwei Möglichkeiten, um ein solches Szenario abzuwenden. So müssten sich die Briten entweder im Rahmen eines neuen Abkommens der Europäischen Union stärker annähern und beispielsweise wenigstens im Europäischen Binnenmarkt bleiben. Am liebsten wäre Liese allerdings ein zweites Referendum über den Ausstieg, um den Brexit im besten Fall vollständig rückgängig machen zu können. Schließlich zeige sich jeden Tag aufs Neue, dass die Versprechen der Brexit-Befürworter nicht zu halten seien.

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