| Melanie Höhn |
| 26.02.2026 13:00 Uhr |
Um Lieferengpässe einzudämmen, muss Deutschland grundsätzlich unabhängiger von der Arzneimittelproduktion außerhalb Europas werden, sagt ABDA-Präsident Thomas Preis. / © Imago Images/Gutschalk
Gestern jährte sich der russische Überfall auf die Ukraine zum vierten Mal. Pharmazeutische Hilfe bleibt laut der Hilfsorganisationen Apotheker ohne Grenzen und action medeor für die Ukraine lebenswichtig. Medikamente seien teuer und knapp.
In Nordrhein-Westfalen laufen die Schutzmaßnahmen laut Bonner »General-Anzeiger« auf Hochtouren: Spionage und Sabotage durch fremde staatliche Stellen sind einer Sprecherin des NRW-Verfassungsschutzes zufolge in Deutschland eine ernstzunehmende Bedrohung. Seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine habe sich das Sabotagerisiko erhöht. »Russlands Geheimdienste gehen aktuell unkonventioneller, risikobereiter und aggressiver vor«, sagte sie der Zeitung. Neben Sabotage gehe es auch um klassische Informationsbeschaffung. NRW spiele eine »herausgehobene Rolle«: Neben der Botschaft in Berlin unterhalte die Russische Föderation ihre einzig verbliebene Vertretung in Bonn.
Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) warnte davor, dass Russland versuche, mit kleinen Funken auch mitten in Deutschland große Brände zu legen. Nicht mehr nur professionelle Spione, sondern auch einfache Helfer würden gefährliche Aufträge ausführen oder mit Drohnen die Bevölkerung verunsichern.
Eines steht fest: Deutschland muss vorsorgen und seine Krisenfestigkeit ausbauen. Unter anderem im Bereich der Arzneimittel besteht Handlungsbedarf. ABDA-Präsident Thomas Preis warnte im »General-Anzeiger« davor, dass es schon jetzt Hunderte Lieferengpässe gebe und in Krisensituationen die Lieferprobleme sprunghaft ansteigen würden. Die sechsmonatige Bevorratungspflicht der Industrie bei Rabattarznei könne in Krisensituationen zwar helfen, sie umfasse aber nicht Arzneimittel wie Antibiotika oder starke Schmerzmittel. Er forderte, dass Deutschland grundsätzlich unabhängiger werden müsse von der Arzneimittelproduktion außerhalb Europas. Auch bei der Apothekenreform müsse an Krisen gedacht werden.
Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt, ist derzeit »zutiefst besorgt«, wie die Versorgung von Patientinnen und Patienten in Krisenzeiten angesichts der weiterhin hohen Zahl von Apothekenschließungen abgesichert werden kann. »Denn während die Landesregierung die Widerstandsfähigkeit Sachsen-Anhalts gegenüber Krisen und Katastrophen stärken will, leidet die wohnortnahe Arzneimittelversorgung«, erklärte er heute in einer Mitteilung.
Münch betonte, dass die Gesundheitsversorgung mit Arzneimitteln ein zentraler Bestandteil der kritischen Infrastruktur sei. »Ohne eine stabile und flächendeckende Apothekenstruktur ist eine wirksame Krisenvorsorge nicht denkbar«, betonte Münch. »Doch bisher scheinen wir in diesen wichtigen Überlegungen nicht eingebunden zu sein.« Wer die Widerstandsfähigkeit des Landes stärken will, müsse auch die Apotheken als Teil der kritischen Infrastruktur stärken. Die Apothekerkammer fordert deshalb den Erhalt der bewährten Apothekenstrukturen sowie eine auskömmliche und nachhaltige Finanzierung: Nur wirtschaftlich stabile Apotheken könnten ihre Laborkapazitäten, ihre Notfallkompetenz und ihre personellen Ressourcen dauerhaft aufrechterhalten und damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherheit und Stabilität leisten.