Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Nadelstiche
-
Lieblingslied lindert Schmerz – Mozart nicht

Mit dem Lieblingssong auf den Ohren lässt sich die Impfung besser ertragen. Laut einer Studie kann Musik den Schmerz bei einem Nadelstich lindern. Doch nicht jedes Stück wirkt bei jedem Menschen gleich.
AutorKontaktdpa
Datum 15.10.2026  08:00 Uhr

Seiner Lieblingsmusik zu lauschen, könnte Tests zufolge empfundene Schmerzen etwa bei einer Impfung reduzieren. Musik von Mozart konnte bei der Schmerzreduktion nicht mit den Lieblingsmelodien mithalten, berichtet das Forschungsteam im Fachmagazin »Frontiers in Pain Research« über Ergebnisse einer kleinen Studie mit rund 200 Teilnehmenden. Es handelt sich um vage Hinweise, die noch einer Bestätigung bedürfen.

Das Schmerzniveau eines Menschen könne beim Setzen einer Nadel erheblich variieren, erklärte Hauptautor Dr. Andrei Cristinel Dragnea vom Universitätsklinikum Zürich. Schon mehrfach zeigten Studien, dass Musikhören generell das Schmerzempfinden beeinflusst. Einfluss haben der neuen Analyse zufolge die persönlichen Vorlieben.

Ängstliche Menschen könnten profitieren

»Ich würde Patienten das Musikhören empfehlen, insbesondere solchen, die Musik generell mögen«, erklärte Seniorautorin und Kollegin Dr. Meritxell Garcia Alzamora. »Angesichts unserer Ergebnisse werden wir den Einsatz von Musik bei Venenpunktionen im Rahmen radiologischer Untersuchungen verstärken, insbesondere bei ängstlichen oder klaustrophobischen Patienten.«

Das Team der Klinik hatte 204 Patienten im Alter von 17 bis 83 Jahren einbezogen, bei denen eine MRT-Untersuchung anstand, für die sie ein Kontrastmittel bekamen. Die Teilnehmenden gehörten einer von vier Gruppen an. Sie hörten beim Legen der Kanüle entweder keine Musik, ihre Lieblingsmusik, spezielle Entspannungsmusik – »Quelle des Ich Bin« von Peter Uwe Piotter – oder die Mozartsonate für zwei Klaviere D-Dur KV 448, gespielt von Alfred Brendel und Walter Klien. Die Lieblingsmusik umfasste sowohl klassische Musik als auch moderne Popmusik und reichte von Beethoven bis zu Hardrock von AC/DC.

Schmerz kommt vor der Spritze

Die Musik lief bereits vor der Venenpunktion. Die Teilnehmenden bewerteten ihre Schmerzen auf einer Skala von 1 (»keine Schmerzen«) bis 10 (»stärkste vorstellbare Schmerzen«). Das Forschungsteam erfasste die Angaben vor der Venenpunktion sowie unmittelbar danach, nach 30 Sekunden und nach zwei Minuten. Insgesamt 71 Menschen gaben bereits vor dem Einstich Schmerzen an.

Bei der Lieblingsmusik-Gruppe zeigte sich im Mittel eine merkliche Schmerzreduktionswirkung sowohl bei Patienten mit als auch ohne Schmerzen vor dem Nadelstich. Mozart hatte den Daten nach nur bei Menschen mit bereits bestehenden Schmerzen eine signifikante Schmerzlinderung zur Folge.

Aussagekraft begrenzt

Bei der Entspannungsmusik konnten die Forschenden keine relevante Verringerung des Schmerzempfindens feststellen. Das Stück sei langsam, leise und wenig dynamisch, erklärten sie dazu. Die Patientinnen und Patienten könnten es kaum bewusst wahrgenommen oder schlicht ausgeblendet haben, ist ihre Vermutung.

Aus dem Ergebnis lasse sich nicht schließen, dass Entspannungsmusik immer wirkungslos ist. Generell ist die Aussagekraft der Untersuchung sehr begrenzt. Die Gruppen waren klein, die Zuteilung erfolgte nicht zufällig, sondern nach der zeitlichen Reihenfolge der angesetzten MRT-Termine. Außerdem verursachte die Venenpunktion nur einen kurzen, meist leichten Schmerz; die Ergebnisse lassen sich nicht auf längere oder schmerzhaftere Eingriffe übertragen.

Mehr von Avoxa