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Modifizierte Bakterien
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L-Dopa-Produktion im eigenen Darm

Wirkfluktuationen sind ein häufiges Problem einer L-Dopa-Therapie bei Morbus Parkinson. Forschenden ist es gelungen, ein Darmbakterium gentechnisch so zu modifizieren, dass es die Aminosäure synthetisiert und konstant ins ZNS abgibt. Im Tierversuch funktioniert das Prinzip bereits.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 19.11.2025  10:00 Uhr

Bei einer Parkinson-Therapie mit Levodopa kommt es unter einer längeren Einnahme zu einem unvorhersehbaren Wiederauftreten der motorischen Symptome, sodass täglich steigende Wirkstoffdosen erforderlich werden. Mit der Zeit kann dies zu Dyskinesien führen, die durch unwillkürliche Bewegungen des Halses, des Rumpfes, der Gliedmaßen und des Gesichts gekennzeichnet sind. Dyskinesien werden dabei oft fälschlicherweise für ein Symptom der Parkinson-Krankheit gehalten. Verursacht werden sie jedoch durch wellenförmige Konzentrationsschwankungen von L-Dopa im Blutkreislauf, wodurch es zwischen den Dosen zu Schwankungen des Dopaminspiegels im Gehirn kommt.

Diesem Problem versuchen Forschende um Dr. Piyush Padhi vom Sakson Center for Neurological Disease Research an der University of Georgia in Athens, USA, mit einem innovativen Therapieansatz zu begegnen. Sie beschreiben im Wissenschaftsmagazin »Cell Host & Microbe« wie im Tierversuch gentechnisch modifizierte Escherichia coli Nissle 1917-Zellen (EcN) L-Dopa produzieren und dass dieses anschließend konstant ins System und Gehirn abgegeben wird. 

Dazu integrierten die Forschenden in das Genom von EcN-Zellen das Operon hpaBC. Dieses kodiert für einen Enzymkomplex, der die Hydroxylierung von Tyrosin beziehungsweise Tyrosin-Derivaten zu L-Dopa katalysiert. Dabei wird die Expression des Operons über einen Promotor reguliert, wodurch sich die L-Dopa-Synthese justieren lässt. Die resultierenden EcNL-DOPA2-Zellen synthetisieren und sezernieren zuverlässig L-Dopa mit reproduzierbaren Produktionsraten und stellen so im Gastrointestinaltrakt (GI) kontinuierlich L-Dopa als potenzielle Alternative zur klassischen, oral verabreichten Pharmakotherapie bereit.

In vivo testeten die Forschenden ihr System in mehreren Mausmodellen, darunter C57BL/6-Wildtyp-Mäuse und MitoPark-Mäuse, die als ein Modell für progressive dopaminerge Neurodegeneration etabliert sind. In allen Modellen zeigte EcNL-DOPA2 nach oraler Gabe robuste Kolonisationsprofile, eine nachweisbare L-Dopa-Bildung im GI-Trakt und in Kombination mit dem Dopa-Decarboxylasehemmer Benserazid signifikante Verbesserungen motorischer Symptome. 

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Parkinson

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