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Biologisch abbaubar

Kunststoffschiene aus Milchsäure entwickelt

Gips war gestern: Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam hat eine Schiene zur Ruhigstellung von Knochenbrüchen aus Polymilchsäure (PLA) entwickelt. Der Kunststoff kann bei Bedarf mehrfach nachgeformt werden und ist biologisch abbaubar.
Annette Mende
04.07.2019  14:00 Uhr

Ist ein Knochen gebrochen, wird die betroffene Gliedmaße meist mit einem Gipsverband oder einer Plastikschiene ruhiggestellt. Der starre Verband wird im Heilungsverlauf jedoch oft zu weit, wenn die Schwellung nachlässt. Ist der Bruch verheilt, kommt die Schiene ab und auf den Müll – bei jährlich etwa 1,5 Millionen Frakturen in Deutschland kommen da laut Fraunhofer IAP bis zu 150 Tonnen Müll zusammen.

Diese Mängel soll die von dem Institut für die Firma Nölle entwickelte Schiene Recast nicht haben. Sie besteht hauptsächlich aus PLA, einem Polymer, das für die meisten Anwendungen einen großen Nachteil hat: Es wird bereits bei 58 °C weich. »Für den Einsatz als orthopädische Schiene ist der niedrige thermische Erweichungspunkt von PLA ein großer Vorteil. Somit kann das Produkt mehrfach und schnell durch Erwärmen nachgeformt werden«, so Helmut Remde vom Fraunhofer IAP in einer Mitteilung.

PLA ist zudem biologisch abbaubar. Wenn die Schiene nicht mehr benötigt wird, kann sie also in die Biotonne entsorgt werden. Das geht allerdings momentan nur in Arztpraxen oder Privathaushalten, weil Krankenhäuser »eigene Müllkonzepte haben, bei denen Kompostierung nicht vorgesehen ist«, so das Fraunhofer IAP.

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