Wer einen aktiven Herpes hat, sollte das besser lassen. / © Getty Images/Uwe Krejci
Ein inniger Kuss mit einem Menschen, den wir toll finden: Da wird jeder Kummer kurz auf Pause gesetzt. »Studien zeigen, dass Menschen, die gerne und oft küssen, länger und glücklicher leben«, sagt Dr. Susanne Schuler-Lüttmann, Chefärztin des Instituts für Hygiene- und Labormedizin am Helios Klinikum Krefeld.
Eine Rolle spielen dabei die Hormone: »Bei emotionalen, intensiven Küssen kommt es zu einem Hormoncocktail, der kurzfristig Glücksgefühle auslöst«, so die Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. Das »Glückshormon« Dopamin, das »Kuschelhormon« Oxytocin, Serotonin und Endorphine, die als körpereigene Schmerzmittel gelten – sie alle sind Teil dieses Hormon-Feuerwerks. Der Pegel des Stresshormons Cortisol hingegen sinkt.
Hinzu kommt, dass feuchtfröhliche Küsse ein willkommenes Training für unser Immunsystem sind. Denn beim Knutschen wird es mit unbekannten Bakterien konfrontiert. »In der Mundhöhle des Kusspartners herrscht schließlich ein anderes Mikrobiom als in der eigenen«, sagt Schuler-Lüttmann. Mit der Zeit gleicht sich die Bakterien-Zusammensetzung in den Mundhöhlen von Beziehungspartnern sogar mehr und mehr an.
Eine Studie aus den Niederlanden aus dem Jahr 2014 zeigt: Während eines zehn Sekunden langen Kusses tauscht man etwa 80 Millionen Bakterien mit seinem Gegenüber aus. Ekel ist aber fehl am Platz, denn die allermeisten von ihnen sind harmlos.
In manchen Fällen sind aber doch krank machende Bakterien – oder Viren – mit im Spiel. So kann man sich Erkältungen oder Magen-Darm-Infekte einfangen, wenn man beim Küssen infektiöse Aerosole einatmet – winzige Tröpfchen, die beim Ausatmen in die Luft gelangen. Manch einem mag das Prinzip noch aus der Corona-Hochphase bekannt sein.
Auch bakterielle Infektionen wie Scharlach oder Keuchhusten können beim Küssen übertragen werden. Hier ist vor allem der Austausch von Speichel entscheidend. Gibt es winzig kleine Verletzungen in der Mundschleimhaut, können die Krankheitserreger eindringen - und Startpunkt für eine Erkrankung sein, so Schuler-Lüttmann.