| Daniela Hüttemann |
| 02.02.2026 10:36 Uhr |
Vor allem aber ist der Proteinbedarf ist stark erhöht. Während die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für gesunde Personen täglich 0,8 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht beträgt, sollen Krebspatienten 1,5 g/kg Körpergewicht täglich zu sich nehmen, verdeutlichte die Referentin. Das ist sehr viel und, da viele Krebspatienten mitunter Schluckbeschwerden, kaum Appetit und Nebenwirkungen wie Übelkeit haben, oft nur schwer zu erreichen.
So braucht eine gesunde Frau mit 60 Kilogramm täglich 48 g Protein – eine Krebspatientin 90 g Protein. Wer das nicht über die Ernährung schafft, kann zu Proteinpulver guter Qualität greifen, gern pflanzliches, geschmacksneutrales, das sich überall untermengen lässt. Von einer Anreichung mit Maltodextrin riet Teinert dagegen in aller Deutlichkeit ab, da oft der Glucose-Stoffwechsel gestört sei. Es gelte, sich ums Eiweiß zu kümmern.
Der Kohlenhydrat-Anteil darf entsprechend reduziert werden – auf keinen Fall sollte man jedoch wie etwa wie bei einer Keto-Diät komplett darauf verzichten, »um den Krebs auszuhungern«. Dieser Mythos hält sich hartnäckig. Tatsächlich hat ein Tumor einen unstillbaren Glucose-Hunger – aber die Glucose holt er sich bei mangelndem Angebot woanders her, auf Kosten des restlichen Körpers. Als erstes werden Proteine aufgespalten, zum Beispiel aus der Muskulatur, dann das Fett abgebaut.
»Schon normalgewichtige Krebspatienten zeigen bereits zu Krankheitsbeginn Stoffwechselstörungen, mangelernährte erst recht«, verdeutlichte Teinert. Das reiche von einer Glucose-Verwertungsstörung bis hin zur Insulinresistenz. Nach einer Tumorentfernung normalisiere sich der Stoffwechsel dagegen wieder.
Bei Mangelernährung und geringer Nahrungszufuhr kann auch der Einsatz einer bilanzierten Trinknahrung sinnvoll sein, die pro Portion alle nötigen Nährstoffe enthält. Entsprechende Produkte seien für Krebspatienten zulasten der Krankenkassen verordnungsfähig, erläuterte die Ökotrophologin.