| Daniela Hüttemann |
| 02.02.2026 10:36 Uhr |
Krebspatienten sollten auf eine ausreichende Nährstoffzufuhr achten – dazu ist keine spezielle Diät nötig. Proteinpulver kann ergänzend sinnvoll sein, da der Bedarf stark erhöht ist. / © Getty Images/10'000 Hours/Gary Burchell
Eine gesunde Ernährung senkt das Risiko, an Krebs zu erkranken. Sie hilft auch, eine Tumorerkrankung gut zu überstehen und einen Rückfall zu vermeiden. Das ist wissenschaftlich gut belegt. Weniger hilfreich sei es jedoch, bei einer Krebsdiagnose seine Ernährung auf einmal komplett umstellen zu wollen. Das klappe meist nicht und im Zweifelsfall magerten die Patienten noch schneller ab, warnte Ökotrophologin Tatjana Teinert beim NZW-Kongress in Hamburg.
Wer mangelernährt ist und zu viel Gewicht verliert, kommt schlechter durch die Therapie. Das betrifft nicht nur untergewichtige Patienten, sondern auch solche, die übergewichtig waren oder immer noch sind, aber in den vergangenen Wochen und Monaten viel Gewicht verloren haben. Auch diese Personen sind dann höchstwahrscheinlich mangelernährt.
Das heißt nicht, dass man nichts an seiner Ernährung ändern sollte. Am besten verordnet der Arzt direkt bei der Krebsdiagnose eine Ernährungsberatung. Die Kosten übernehmen in diesem Fall zum größten Teil die Krankenkassen. »Wir sehen die Patienten leider aber oft erst viel zu spät, wenn sie bereits mangelernährt sind. dann ist es mitunter schwierig, dass Gewicht wieder hoch zu bekommen«, berichtete Teinert. Eine Tumorkachexie lasse sich jedoch oft vermeiden.
Krebspatienten sollten unbedingt auf eine ausreichende Nahrungszufuhr und die Zusammensetzung achten. Das Essen darf und soll schmecken – und wenn möglich Spaß machen, denn es gehe auch um Lebensqualität.
Grundsätzlich gelten für Krebspatienten dieselben Empfehlungen wie für gesunde Menschen: Viel Gemüse und Obst (je bunter, desto besser), viel Vollkorn, wenig Fleisch (bevorzugt Geflügel), etwas Fisch. Die Zusammensetzung ihrer Ernährung sollte aber zu 35 Prozent, nicht nur zu 30 Prozent aus Fett bestehen. Mahlzeiten können mit Avocado oder einem Nussmus angereichert werden – das bringt Kalorien und gesunde Fette.
Vor allem aber ist der Proteinbedarf ist stark erhöht. Während die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für gesunde Personen täglich 0,8 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht beträgt, sollen Krebspatienten 1,5 g/kg Körpergewicht täglich zu sich nehmen, verdeutlichte die Referentin. Das ist sehr viel und, da viele Krebspatienten mitunter Schluckbeschwerden, kaum Appetit und Nebenwirkungen wie Übelkeit haben, oft nur schwer zu erreichen.
So braucht eine gesunde Frau mit 60 Kilogramm täglich 48 g Protein – eine Krebspatientin 90 g Protein. Wer das nicht über die Ernährung schafft, kann zu Proteinpulver guter Qualität greifen, gern pflanzliches, geschmacksneutrales, das sich überall untermengen lässt. Von einer Anreichung mit Maltodextrin riet Teinert dagegen in aller Deutlichkeit ab, da oft der Glucose-Stoffwechsel gestört sei. Es gelte, sich ums Eiweiß zu kümmern.
Der Kohlenhydrat-Anteil darf entsprechend reduziert werden – auf keinen Fall sollte man jedoch wie etwa wie bei einer Keto-Diät komplett darauf verzichten, »um den Krebs auszuhungern«. Dieser Mythos hält sich hartnäckig. Tatsächlich hat ein Tumor einen unstillbaren Glucose-Hunger – aber die Glucose holt er sich bei mangelndem Angebot woanders her, auf Kosten des restlichen Körpers. Als erstes werden Proteine aufgespalten, zum Beispiel aus der Muskulatur, dann das Fett abgebaut.
»Schon normalgewichtige Krebspatienten zeigen bereits zu Krankheitsbeginn Stoffwechselstörungen, mangelernährte erst recht«, verdeutlichte Teinert. Das reiche von einer Glucose-Verwertungsstörung bis hin zur Insulinresistenz. Nach einer Tumorentfernung normalisiere sich der Stoffwechsel dagegen wieder.
Bei Mangelernährung und geringer Nahrungszufuhr kann auch der Einsatz einer bilanzierten Trinknahrung sinnvoll sein, die pro Portion alle nötigen Nährstoffe enthält. Entsprechende Produkte seien für Krebspatienten zulasten der Krankenkassen verordnungsfähig, erläuterte die Ökotrophologin.
Vom Fasten und anderen Diäten sollte abgeraten werden, auch von divers zusammengesetzten Nahrungsergänzungsmitteln, vor allem Multivitaminpräparaten. Der Fokus muss auf der verordneten Therapie liegen, inklusive Supportivtherapie wie Mittel gegen Übelkeit.
Die Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels und -B-Komplexes sei sinnvoll, allerdings eine Selbstzahlerleistung. Trotzdem riet Teinert dazu, um dann gezielt zu supplementieren. Generell gelten für Tumorpatienten dieselben Empfehlungen zu Vitaminen und Spurenelementen wie für Gesunde.