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Prognose bis 2035 
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Krankenkassen erwarten sinkende Einnahmen 

Ein neues IGES-Gutachten zeigt, dass die Einnahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in den kommenden Jahren sinken dürften. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) fordert daher mehr reguläre Beschäftigungsverhältnisse und eine einnahmeorientierte Ausgabenpolitik. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 12.03.2026  15:00 Uhr

Die Schere zwischen den Einnahmen und den Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) geht seit Jahren immer stärker auseinander. Am Dienstag hat der Verband der Ersatzkassen in Berlin ein beim IGES Institut in Auftrag gegebenes Gutachten vorgestellt, das die Entwicklung der GKV-Einnahmen genauer beleuchtet. 

Das Gutachten zeigt, dass sich die finanziellen Probleme der GKV in den kommenden Jahren weiter verschärfen dürften. Durch den demografischen Wandel, Veränderungen am Arbeitsmarkt und Verschiebungen in der Versichertenstruktur rechnen die Gutachter bis 2035 mit einem Rückgang der jährlichen Beitragseinnahmen um etwa 4 Milliarden Euro, was 0,2 Beitragspunkten entspricht. 

Entscheidend ist hierbei der demografische Wandel und die zunehmende Alterung der Gesellschaft. Laut der Analyse dürfte allein dieser Faktor bis 2035 zu einem Rückgang der Beitragseinnahmen um 0,2 Beitragspunkte führen. Die Wissenschaftler merken allerdings an, dass eine steigende Arbeitsmigration und ein wachsender Anteil von Beschäftigten im rentennahen Alter diese Belastung dämpfen können. 

Teilzeitquote als Chance und Risiko 

Die IGES-Experten machten auch positive Entwicklungen aus. So hätten in den vergangenen Jahren viele Frauen, die vorher über die Familienversicherung mitversichert waren, eine Beschäftigung aufgenommen und so die Beitragseinnahmen der GKV gestärkt. Seit 2010 habe sich der Anteil erwachsener Familienversicherter fast halbiert. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, könnte das bis 2035 zusätzliche Einnahmen in Höhe von 0,1 Beitragssatzpunkten erzeugen.

Doch bei vielen dieser Beschäftigungen handelt es sich um Teilzeitstellen. Perspektivisch könnte das auch zum Problem werden. Sollte die Teilzeitbeschäftigung gleichzeitig zu einem Rückgang der Vollzeitbeschäftigung führen, könnte das bis 2035 zu einem Einnahmenrückgang um weitere 0,2 Beitragssatzpunkte führen. 

Die Analysten rechnen insgesamt mit einer Verschlechterung der GKV-Einnahmen, die sich durch politische Maßnahmen zwar dämpfen, aber nicht stoppen lässt. »Wir sehen, dass auf der Einnahmenseite keine großen Sprünge zu erwarten sind, im Gegenteil«, sagte Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek, beim Pressegespräch am Dienstag. »Es hieß immer, dass sich die Probleme regeln, wenn die Wirtschaft wieder anspringt. Doch auch wenn die Wirtschaft anspringt, haben wir auf der Einnahmenseite eher die Belastungsfaktoren.« 

vdek fordert Sparmaßnahmen 

Der vdek schlägt einige Maßnahmen vor, die den Kassen mehr Einnahmen verschaffen könnten. So wünscht sich der Verband, dass der Gesetzgeber Anreize dafür schafft, dass mehr Teilzeitbeschäftigte in einen Vollzeitjob wechseln. Außerdem sollen künftig nur noch Schüler, Studierende und Rentner sogenannte Minijobs ausüben dürfen. Diese seien im Jahr 2003 eingeführt worden, um den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren und den Berufseinstieg zu erleichtern. Heute seien die Arbeitsmarktbedingungen allerdings ganz anders, sodass eine Beschränkung sinnvoll sei, damit mehr Menschen einer regulären sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen. 

Doch diese Maßnahmen dürften zur Stabilisierung der GKV-Finanzen nicht ausreichen. »Auf der Einnahmenseite gibt es ehrlicherweise kein großes Potenzial«, räumte Ulrike Elsner am Dienstag ein. Der vdek wünscht sich daher Reformen bei der Ausgabenseite und eine einnahmeorientierte Ausgabenpolitik. Es brauche eine verbindliche Obergrenze für die Steigerung von Vergütungen sowie für Mengen- und Struktureffekte. 

Vor diesem Hintergrund übte Ulrike Elsner auch Kritik an der geplanten Apothekenreform. »Die Reform sieht eine Regelung vor, dass man beim Austausch von nicht lieferbaren Rabattarzneimitteln nicht mehr auf die Wirtschaftlichkeit guckt, sondern auch ein Originalpräparat ausgeben kann. Eine unsinnige Regelung.« Auch die versprochene Erhöhung des Fixums dürfe nicht mit der Gießkanne erfolgen.

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