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Medikationsanalyse
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Kleine Änderungen, große Effekte

In einem Webinar der Reihe »pDL Campus live« der ABDA, das unter dem Motto »Blutdruck im Griff« stand, besprach der Apotheker Daniel Finke aus Osnabrück mit rund 600 zugeschalteten Kolleginnen und Kollegen die Medikationsanalyse einer Hypertonie-Patientin. Diese verhalf ihr zu deutlich mehr Lebensqualität.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 17.04.2025  07:00 Uhr

In dem anonymisierten Fall ging es um die 60-jährige Frau W., die bereits seit mehreren Jahren Stammpatientin in der Apotheke war, in der Finke arbeitet. Man kenne sie eigentlich als fröhliche und aufgeweckte Person, erzählte der Apotheker, doch in letzter Zeit leide sie unter starkem Harndrang und häufigem Wasserlassen, auch nachts. Dies raube ihr die Nachtruhe.

»Es stand auch der Verdacht einer Blasenentzündung im Raum, aber Antibiotika hatten der Patientin nach eigenen Angaben in der Vergangenheit nichts gebracht«, sagte Finke.  Nun wollte sie ihre Medikation in der Apotheke analysieren lassen.

Arzneistoff morgens mittags abends zur Nacht
Metoprololsuccinat 95 mg 1 - - -
Irbesartan 300 mg 0,5 - 0,5 -
L-Thyroxin 75 µg 1 - - -
Sitagliptin/Metformin 50 mg/1000 mg - 1 - -
Lercanidipin 20 mg - - 1 (ca. 16 Uhr)
Indapamid 1,5 mg retard - - 1 (ca. 16 Uhr) -
Moxonidin 0,4 mg - - - 1 (bei Bedarf)
ASS 100 mg 1 (alle 2 bis 3 Tage) - - -
Citalopram 20 mg - - 1 -
Diphenhydramin 50 mg - - - 1 (bei Bedarf)
Medikationsplan der Patientin

Zum Beratungsgespräch brachte Frau W. – die Bluthochdruck, eine Schilddrüsenunterfunktion, Typ-2-Diabetes und seit einigen Monaten eine depressive Verstimmung hatte – neben ihrem Medikationsplan einige Werte mit: 

  • Blutdruck: 155/95 mmHg,
  • Puls: 75 Schläge/Minute,
  • Körpergröße: 161 cm,
  • Gewicht: 65 kg,
  • BMI: 25,1 kg/m 2 .

Im Urin wurden bei ihr keine Erythrozyten oder Nitrit nachgewiesen, die Konzentration der Leukozyten betrug 21/mm3. Außerdem legte die Patientin folgende Laborwerte vor: 

  • Natrium: 139 mmol/l,
  • Kalium: 4,1 mmol/l,
  • Serumkreatinin: 1,0 mg/dl,
  • eGFR 50 ml/min (berechnet nach Cockcroft-Gault),
  • Blutzucker: 135 mg/dl,
  • HbA 1c : 7,6 Prozent.

Verbesserungswürdige Ausgangslage

Nach einer Begutachtung des Medikationsplans wunderten sich viele Teilnehmer, dass Indapamid und Lercanidipin am Abend eingenommen wurden. »Auch die 16-Uhr-Zeitangabe ist etwas irreführend. Warum das so ist, schauen wir uns gleich an«, sagte Finke. Durch den diuretischen Effekt könnte Indapamid für den nächtlichen Harndrang verantwortlich sein. Auch zwei halbe Tabletten Irbesartan statt einer ganzen wurde kritisiert, ebenfalls die zu niedrige Metformin-Dosis und die Deklaration von Moxonidin als Bedarfsmedikation.

Außerdem könne die Kombination aus Citalopram und Diphenhydramin das Risiko für eine QT-Zeit-Verlängerung erhöhen. Die Apotheker stellten ebenso die Sinnhaftigkeit infrage, ASS nur alle zwei bis drei Tage einzunehmen.

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