| Jennifer Evans |
| 19.10.2026 07:00 Uhr |
Eine Studie räumt mit Kitzel-Mythen auf: Wir lachen zwar, aber nicht immer, weil es uns Spaß macht. / © Adobe Stock/Halfpoint
Die Kitzligkeit des Menschen sei eine vertraute Empfindung, bleibe aber eines der faszinierendsten und ungelösten Phänomene der Wissenschaft, wie Forschende von der niederländischen Radboud-Universität berichten. Schon Gelehrte wie Aristoteles, Sokrates und Darwin haben über die Ursprünge und die Funktion des Kitzelns sinniert. Doch viele Fragen sind nach wie vor offen, unter anderem, warum einige Körperstellen besonders kitzlig sind oder weshalb wir dabei überhaupt lachen.
Das Team um die Neurowissenschaftlerin Dr. Konstantina Kilteni hat nun versucht, eine Landkarte des Kitzelns zu erstellen sowie Verhalten und Empfindungen weltweit zu vergleichen. Wie die Studienergebnisse zeigen, die im Fachjournal »Nature Human Behaviour« veröffentlicht sind: Die Reaktionen aufs Kitzeln ähneln sich stark – über kulturelle Grenzen hinweg.
Für ihre Untersuchung befragten die Forschenden 448 junge Erwachsene aus China, den Niederlanden und Griechenland. Mehr als 95 Prozent der Teilnehmenden gaben an, bereits gekitzelt worden zu sein oder selbst andere gekitzelt zu haben. Und sie beschrieben dabei ähnliche Erfahrungen: Sie lachten, wehrten sich, versuchten zu fliehen oder kitzelten zurück.
Meist kamen die Kitzelattacken von Familienmitgliedern oder Freunden. In der Kindheit waren es oft ältere Personen, im Erwachsenenalter eher Gleichaltrige. Die Häufigkeit nahm mit zunehmendem Alter jedoch ab.
Zwar verbinden laut Studie die meisten Menschen mit Kitzeln auch Lachen – doch empfinden sie dabei meist keine Freude. Nur ein gutes Drittel der Teilnehmenden nahm es im Erwachsenenalter noch als angenehm wahr, sich kitzeln zu lassen. Mehr als ein Viertel der Befragten empfand es sogar als unangenehm, während die meisten Erwachsenen dabei neutrale Gefühle hatten.
Insgesamt waren mehr als drei Viertel der Befragten der Ansicht, dass man mit Kitzeln andere zum Lachen bringen kann. Die meisten bezweifeln aber gleichzeitig, dass dieses Lachen Freude widerspiegelt. Dem Autorenteam zufolge könnte das Verhalten also soziale Signale auslösen, die über einfache Freude hinausgehen.