| Laura Rudolph |
| 27.04.2026 09:00 Uhr |
Ein häufiger Einsatz von KI kann einer Studie zufolge Zweifel an den eigenen Fähigkeiten wecken. / © Getty Images/damircudic
Die Neurowissenschaftlerin Sarah Baldeo von der Middlesex Universität in England beobachtete in einer Studie einen Zusammenhang zwischen häufiger sowie wenig kritischer KI-Nutzung und einem geringeren Selbstvertrauen in das eigene Denkvermögen. Das berichtete die Doktorandin kürzlich im Fachjournal »Technology Mind and Behavior«.
Für ihre Studie wies sie 1923 Erwachsene aus den USA und Kanada an, zehn Aufgaben unterschiedlicher Art mithilfe einer KI zu lösen. Dabei sollten sie auf Large Language Modelle wie ChatGPT & Co. zurückgreifen, die sie auch im Alltag benutzten. Die Aufgaben umfassten unter anderem das Planen unter unsicheren Bedingungen, mehrschrittige Organisationsaufgaben sowie Entscheidungsprozesse.
Per Selbstauskunft gaben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschließend an, in welchem Umfang sie künstliche Intelligenz zu Rate gezogen hatten und wie »abhängig« sie sich von den KI-Antworten fühlten, um die Aufgabe zu lösen beziehungsweise wie sehr sie ihrer eigenen Argumentation vertrauten. Sie machten hierzu Kreuzchen auf einer sogenannten Likert-Skala, die oft in Bewertungsbögen genutzt wird: Sie enthält vorgefertigte Aussagen mit Auswahloptionen von »stimme gar nicht zu« bis »stimme voll zu«.
Außerdem wertete Forscherin Baldeo die Anzahl der Prompts pro Aufgabe aus, wie lange die Teilnehmenden für die finale Lösung brauchten und wie häufig und in welchem Umfang sie dabei von den KI-Antworten abwichen.
Die Studie kann zwar aufgrund ihres Designs keine kausalen Zusammenhänge ableiten, deutet aber auf einen Trend hin. Durchschnittlich 58 Prozent der Teilnehmenden stimmten – unabhängig vom Aufgabentyp – der Aussage zu, dass die KI die meiste Denkarbeit übernommen hatte. Insbesondere bei Planungs‑ und mehrschrittigen Organisationsaufgaben wurde verstärkt über kognitives Auslagern berichtet.
Je mehr Teilaufgaben an die KI delegiert wurden und je weniger das KI-Ergebnis hinterfragt oder überarbeitet wurde, desto niedriger war das selbstberichtete Vertrauen in das eigene Denken. Die Teilnehmenden berichteten außerdem über die Schwierigkeit, zwischen schnellen und genauen Lösungen abzuwägen, und das Gefühl, selbst nicht mehr so viele eigene Ideen zu produzieren.