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Apothekerkammer Saarland

Keine Alternativen in Sicht

Die Apothekerkammer Saarland hat sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren immer wieder sowohl für ein Rx-Versandhandelsverbot als auch für eine Honorarerhöhung stark gemacht. Die Bilanz, die Kammerpräsident Manfred Saar am Dienstagabend bei der Vertreterversammlung zog, fällt jedoch ernüchternd aus. 
Michelle Haß
11.04.2019
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Denn zurzeit will die Politik nicht auf etwaige Forderungen der Apotheker eingehen. Der Referentenentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeige dies wieder einmal mehr, sagte Saar. »Ich bin mit diesem Ergebnis nicht wirklich zufrieden« , äußerte er sich. Gleichzeitig machte er aber deutlich, dass es zurzeit keine wirklichen Alternativen gebe. Spahns Vorschläge aus dem Referentenentwurf seien daher »besser als nichts«. Carsten Wohlfeil, der Geschäftsführer der Kammer, fügte hinzu: »Wir stehen selbst vor einer Wand, weil wir das, was dem Berufsstand guttäte, nicht durchsetzen können.«

Die Kammermitglieder äußerten sich vor allem gegenüber der geplanten Honorierung zusätzlicher Dienstleistungen kritisch. Solche zusätzlichen Dienstleitungen, zum Beispiel Medikationsanalysen, würden mehr Ressourcen in Form von Personal, aber auch Software und Datenbanken bedeuten und seien mit erhöhten Ausgaben verbunden. Ob solche zusätzlichen Dienstleitungen unter dem Strich mit mehr Verdienst einhergingen, bezweifelten die Teilnehmer der Versammlung stark. Hinzu komme, dass gerade kleine Apotheken sich diesen Mehraufwand nicht leisten könnten und somit auf der Strecke blieben, während große Apotheken davon profitieren und weiter gestärkt würden. Somit habe man nichts gewonnen.

Streik als Option

Saar teilte diese Meinung und betonte, dass ihm eine allgemeine Honorarerhöhung auch lieber gewesen wäre. Doch diese sei genau wie das Rx-Versandhandelsverbot nicht verhandelbar gewesen. »Wir wären gezwungen gewesen, unsere Forderungen massiv, meines Erachtens mit Streik der Apotheken, durchzusetzen« , entgegnete Saar und zweifelte zugleich an der Umsetzungsfähigkeit eines solchen Vorhabens. »Bevor Apotheker in Massen auf die Straßen gehen, schließen sie ihre Apotheken für immer – so wie es jetzt gerade geschieht.«

Er appellierte an die Apotheker, abzuwarten, wie sich die politische Lage weiterentwickelt. Er und auch Wohlfeil bezweifelten, dass Spahns Vorschlag (europa-)rechtlich standhält. „Und dann können wir sagen, jetzt machen wir das ordentlich. Jetzt machen wir ein Rx-Versandverbot“, bekräftigte Saar.

Gleichzeitig warnte Wohlfeil die Apotheker vor einer grundsätzlichen Ablehnung des Referentenentwurfs. Eine strikte Verweigerungshaltung würde auf politischer Ebene registriert werden und könne sich auf zukünftige Debatten negativ auswirken. Man müsse Zugeständnisse machen, um andere Bereiche zukunftsfähig zu halten. »Denn wenn der Berufstand sich nicht bewegt, dann bewegt uns die Politik, und dann aber geheuerlich.« 

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