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Hilfswerk in der Pandemie
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»Kein Entweder-oder«

Covid-19 ist eine Erkrankung mit vielen Nebenwirkungen. Grassiert in Europa vor allem die Angst vor den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, verschärft das Virus in Entwicklungsländern zusätzlich den ohnehin schwierigen Überlebenskampf von Millionen von Menschen.
AutorKontaktUlrike Abel-Wanek
Datum 13.10.2020  07:00 Uhr

Fachfortbildung per Video

Aber auch wenn mittlerweile annähernd so viele Arzneimittelpakete Tönisvorst verlassen wie vor dem Pandemie-Ausbruch, hakt es an anderen Stellen. »Wir können noch nicht reisen und das hat Folgen für die Projektarbeit und die pharmazeutische Fachberatung vor Ort«, so Bremers.

2019 wurden in der pharmazeutischen Fachberatung unter anderem Projekte wie GMP-Schulungen in Nepal und Ghana durchgeführt, außerdem die Weiterbildung von medizinisch-pharmazeutischem Fachpersonal und die Ausbildung von Studenten gefördert – immer mit dem Ziel, den lokalen Zugang zu sicheren Medikamenten und die Lebensqualität langfristig zu verbessern. Die 25-jährige Wema Aswile aus Dar es Salam erhielt Anfang des Jahres ein Stipendium der action-medeor-Stiftung für einen Masterstudiengang der Pharmazie an der Muhimbili-Universität in Tansania. Apotheker werden in dem südostafrikanischen Land dringend gesucht, denn hier versorgen weniger als drei Pharmazeuten rund 100.000 Einwohner. In Deutschland liegt diese Zahl bei über 70.

Die laufende Projektarbeit, Schulungen und Beratungen der Partner in den Entwicklungsländern hat sich durch den Ausbruch von Covid-19 bis auf Weiteres auch bei action medeor schwerpunktmäßig ins Netz verlagert. Die pharmazeutischen Trainings und Förderungen der Studierenden in Tansania erfolgen digital, ebenso die Schulungen von Lehrpersonal und die Kooperation mit Aufsichtsbehörden. Bei vielen Gesundheitsprojekten hat die Aufklärung über erforderliche Hygienemaßnahmen oberste Priorität.

Corona in Afrika

Dass die meisten Staaten Afrikas bis jetzt von einer hohen Covid-19-Mortalitätsrate verschont blieben, wirft Fragen auf. Ein wesentlicher Grund scheint die deutlich jüngere Bevölkerung im Vergleich zu westlichen Industrienationen zu sein. Die schweren Verläufe der Krankheit sind bei jüngeren Menschen seltener. Zudem haben die im Umgang mit Epidemien wie Ebola oder Lassafieber erfahrenen afrikanischen Staaten sehr schnell mit einem Lockdown des öffentlichen Lebens reagiert.

»Was uns in der Logistik Schwierigkeiten gemacht hat, trug vielleicht dazu bei, dass sich das Virus in Afrika bisher nicht so ausbreiten konnte«, vermutet Bremers. Auch ein weiterer Grund für das Ausbleiben der ganz großen Katastrophe wird diskutiert. Menschen in Entwicklungsländern müssen sich ihr Leben lang mit einer Vielzahl von Krankheitserregern auseinandersetzen, was vermutlich zu einem gut trainierten und abwehrstarken Immunsystem führt. Hinzu kommt die im Vergleich zu Industriestaaten deutlich geringer ausgebaute Infrastruktur. Afrikanische Gesellschaften sind weniger mobil als hierzulande und bei einem sogenannten Infektionshotspot werden die Keime einfach weniger verteilt.

Aber auch wenn die Menschen in Afrika weniger an einer Covid-19-Erkrankung direkt versterben, viele Tausend finden den Tod durch die  indirekten Folgen des Virus. Weil in den vergangenen Monaten keine Impf- und Präventionsprogramme durchgeführt wurden, Schutzausrüstungen und Medikamente fehlten oder viele Menschen sich aus Angst vor Ansteckung und mangels Aufklärung nicht trauten, in die örtlichen Krankenstationen zu gehen, um Krankheiten wie Tuberkulose, Malaria oder HIV/Aids behandeln zu lassen. Laut Peruvemba zeigt die Pandemie zweierlei: dass es zwischen Corona-Schutz und der Behandlung anderer Erkrankungen kein Entweder-oder geben dürfe. »Und  dass die Stärkung der örtlichen Gesundheitssysteme  die Zukunftsaufgabe ist.«

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