| Cornelia Dölger |
| 20.10.2026 09:15 Uhr |
Derzeit gibt es fast 100 Krankenkassen in Deutschland – und politischen Druck, die Zahl durch Fusionen zu reduzieren. / © Imago/Wolfilser
Vor Kurzem war bekannt geworden, dass die Fusionspläne von vivida bkk und BKK Scheufelen gescheitert sind. Wie die beiden Betriebskrankenkassen Mitte Oktober mitteilten, werde der für den 1. Januar 2027 vorgesehene Zusammenschluss nicht vollzogen. Beide Häuser bleiben eigenständig.
Erst im Juli hatten die Verwaltungsräte den Weg für die Vorbereitung der Fusion freigemacht. Ziel war es, die Kompetenzen beider Kassen zu bündeln und das Angebot für Versicherte gemeinsam auszubauen. Während der Vorbereitungsphase habe sich aber gezeigt, dass die Erwartungen an den Zusammenschluss nicht erfüllt werden können. Vor diesem Hintergrund habe man entschieden, die Fusionspläne einzustellen.
Schon im Mai hatten die BIG direkt gesund und die Salus BKK ihre Fusionspläne aufgegeben. Nach Einschätzung der Verwaltungsratsvorsitzenden von BIG direkt gesund fehlte die notwendige strategische Übereinstimmung für einen Zusammenschluss. Nach Angaben der Krankenkasse wurde die geplante Fusion im Vorfeld intensiv geprüft. Dabei habe sich gezeigt, dass die Voraussetzungen für eine langfristig tragfähige Zusammenarbeit nicht in ausreichendem Maß erfüllt seien. Zudem sei deutlich geworden, dass die Vorstellungen über die strategische Ausrichtung sowie die konkrete Ausgestaltung einer Zusammenarbeit nicht ausreichend übereinstimmten. Vor diesem Hintergrund werde der geplante Zusammenschluss nicht weiterverfolgt, hieß es.
Die Fusionspläne wie auch die vollzogenen Zusammenschlüsse etwa von IKK gesund plus und IKK Brandenburg und Berlin dürften dem politischen Druck geschuldet sein; Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) machte bereits vor seinem Amtsantritt klar, dass er die bisherige Anzahl der Versicherungen für zu hoch hält. Seiner Ansicht nach sind zehn genug – derzeit gibt es rund 90. Als mögliches Instrument brachte er eine Mindestzahl von Versicherten pro Kasse ins Spiel. Linnemann argumentierte mit hohen Verwaltungskosten und fehlendem Wettbewerb zwischen den Kassen.
Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) widersprach. Vorstandschef Oliver Blatt verwies darauf, dass die Zahl der Kassen bereits von über 1000 in den 1990er-Jahren auf 93 gesunken sei und der Anteil der Verwaltungsausgaben seit Jahren zurückgehe. Dies habe im Übrigen auch die Finanzkommission Gesundheit herausgearbeitet, die im Frühjahr ihre Empfehlungen für ein GKV-Spargesetz abgegeben hatte. Die Kommission hatte 66 Maßnahmen vorgeschlagen, die die gesetzlichen Krankenkassen 2027 um bis zu 42 Milliarden Euro entlasten können – Kassenfusionen zählten nicht dazu.
Gegenüber der PZ hatte der Kommissionsvorsitzende Wolfgang Greiner betont, dass sich kein belastbarer Zusammenhang zwischen der Zahl der Krankenkassen und deren Verwaltungskosten feststellen lasse. Greiner erklärte, man habe »keinen Sparbeitrag einer niedrigeren Anzahl von Krankenkassen« errechnen können. Es gebe sowohl große Kassen mit hohen als auch kleine Kassen mit niedrigen Verwaltungskosten.
Linnemann hält unterdessen an der Fusionsidee fest. In einem Interview mit der »Bild« bekräftigte er, dass er die Zahl der Krankenkassen reduzieren möchte.