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Apothekenreform
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Kammer Hessen pocht auf Nachbesserung

Mit der frisch verabschiedeten Resolution im Gepäck reiste der hessische Kammerpräsident Dr. Christian Ude nach Berlin, um bei Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf deutliche Nachbesserungen beim geplanten Apothekenreformgesetz zu pochen. »Setzen Sie das um, was im Koalitionsvertrag angekündigt ist.«
AutorKontaktElke Wolf
Datum 20.11.2025  18:00 Uhr

»Alter Wein in neuen Schläuchen«, »Lauterbach 2.0«, »Degradierung der Apotheken«: Mit deutlichen Worten verlieh der hessische Kammerpräsident Dr. Christian Ude seiner Fassungslosigkeit über den Referentenentwurf zur Apothekenreform Ausdruck. »Statt der wirtschaftlichen Stärkung durch die zugesagte Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro und einer jährlichen Dynamisierung per Verhandlungsweg stehen wird jetzt vor einem Systembruch«, sagte er bei der heutigen Delegiertenversammlung. Wortbruch sei es obendrein.

Apotheke ohne Apotheker/PTA-Vertretung, Erleichterung von Zweigapotheken, gesenkte Anforderungen an die Apothekenräumlichkeiten, freie Öffnungszeiten oder die Zentralisierung der Rezepturen: Die vermeintlichen Erleichterungen, die der Referentenentwurf zum sogenannten Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) enthält, läuteten vielmehr eine Aufweichung des Systems ein. »Das ist das eigentlich Tragische, dass die Regierungsparteien nicht verstanden haben, dass damit keine Entlastung geschaffen, sondern ein Systembruch eingeläutet wird.«

Aufweichung des Systems

Apotheker Dr. Martin Weiser, seit wenigen Wochen neuer Geschäftsführer der Kammer, konkretisierte mit folgendem Szenario: »Alle diese Punkte ermöglichen, dass andere Player wie Amazon, die Rossmänner und die dms dieser Welt in den Markt der Arzneimittelversorgung einsteigen. Denkbar ist etwa eine ›Prescription Corner‹ im Drogeriemarkt, also eine von einer PTA betreute ›Rezept-Ecke‹. Und wenn es dann doch mal weitergehende Fragen gibt, wird der Apotheker einfach telepharmazeutisch dazugeschaltet – wobei wir wieder beim Modell Lauterbach wären.«

Hohes Risikopotenzial sieht Weiser auch im kürzlich erschienenen Referentenentwurf zur Notfallversorgung: Dieser sieht vor, dass Apotheken unter bestimmten Voraussetzungen an integrierten Notfallversorgungszentren mit reduzierten Anforderungen betrieben werden können. Dadurch könnte jedoch prinzipiell der flächendeckende Nacht- und Notdienst gefährdet werden, da die Politik die Finanzierung einer zusätzlichen Struktur außerhalb der integrierten Notfallzentren womöglich nicht mehr für notwendig erachtet, mahnte Weiser.

Ernst, aber nicht aussichtslos

Um sich bei der Koalition mehr Gehör zu verschaffen, »müssen wir mit Vollgas zwar sachlich, aber unbequemer und lauter werden. Wir müssen uns auf wesentliche Dinge fokussieren:  Zur Erhöhung des Fixums und zum Beibehalt der inhabergeführten Apotheke ohne zeitweise PTA-Vertretung gibt es keine Alternative«. Es sei schließlich nicht einzusehen, dass die Apothekerschaft die »einzigen seien, die hinten runterfallen«. Die Lage sei zwar ernst, aber nicht aussichtslos. 

Die Delegierten verabschiedeten deshalb einstimmig und plakativ eine Resolution (siehe Kasten), in der sie fordern: »Setzen Sie um, was im Koalitionsvertrag niedergeschrieben ist. Jeglicher Vertrauensvorschuss ist aufgebraucht.«. Die Schlagworte sind: »Ohne 9,50 Euro geht’s nicht«; »Koalitionsvertrag gebrochen – Unser Fixum ist versprochen!«; »PTA stärken: Ja!, Apotheker ersetzen: Nein!«; »Keine Apotheken ohne Apotheker. Sonst droht »ERROR 404 – Apotheke not found«. 

Die Resolution will der Kammerpräsident heute Abend in Berlin persönlich an die Bundesgesundheitsministerin übergeben. Schützenhilfe bekommt er dazu von der hessischen Landesregierung: Günstigerweise findet nämlich ein parlamentarischer Abend der hessischen Landesregierung zum Thema seltene Erkrankungen statt, zu dem Nina Warken erwartet wird. »Eine gute Möglichkeit, persönlich zu zeigen, dass wir mit diesem Gesetzesvorhaben nicht konform gehen, sondern im Gegenteil deutlichen Verbesserungsbedarf sehen. Wir fordern ein, dass die Regierungspolitiker an der Seite der Apotheker stehen, so wie es im Koalitionsvertrag versprochen ist«, so Ude.

Was nicht heiße, dass  der Referentenentwurf nicht auch positive Elemente habe, wie die Aufwertung des pharmazeutischen Know-how, also etwa die geplante Ausweitung der pharmazeutischen Dienstleistungen und das Verimpfen aller Totimpfstoffe. 

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