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Lebensmittel-Kennzeichnung

Julia Klöckner wird Nutri-Score einführen

Als Nährwert-Kennzeichnung auf Lebensmitteln wird der Nutri-Score eingeführt. Das gab am Montag Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) in Berlin bekannt. Das Logo war einer Verbraucherbefragung zufolge am besten verständlich.
Christina Hohmann-Jeddi
30.09.2019
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»Als erweitertes Nährwert-Kennzeichen für Deutschland will ich den Nutri-Score einführen«, sagte Klöckner laut einer Pressemitteilung des Bundsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Damit treffe sie eine valide Entscheidung in einer Debatte, die seit über einem Jahrzehnt »sehr emotional« geführt werde. »Umso wichtiger daher, dass wir mit der von uns durchgeführten wissenschaftlichen Analyse und Verbraucherforschung nun eine belastbare und verlässliche Datengrundlage haben.«

Der Entscheidung vorausgegangen war eine Untersuchung des Max Rubner-Instituts, das verschiedene Modelle von Nährwert-Kennzeichnungen ernährungswissenschaftlich analysiert hatte. Das Ergebnis der Verbraucherbefragung: 57 Prozent der Befragten sprachen sich für den Nutri-Score als bevorzugtes Modell aus. Dieser war demnach auch besser verständlich als die anderen untersuchten Modelle: Mithilfe des Nutri-Scores konnten 70 Prozent der Befragten Testaufgaben zur Einordnung eines Lebensmittels vollständig richtig lösen. Die Vergleichsmodelle erreichten Werte von 60, 35 beziehungsweise 21 Prozent.

»Meilenstein in der Ernährungspolitik«

Die höchsten Empfehlungswerte erreichte der Nutri-Score in zwei besonders relevanten Verbrauchergruppen, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. Dies sind Personen, die sich selten oder gar nicht mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln beschäftigen (67 Prozent) und Personen mit Adipositas (64 Prozent).

Klöckner betonte: »Für mich ist das Ergebnis der Verbraucherbefragung maßgeblich und ich nehme das ernst. Der Nutri-Score ist wissenschaftlich seriös, bekannte Schwachstellen des Algorithmus werden optimiert.« Die Ministerin kündigte an, für den deutschen Markt zeitnah die rechtliche Grundlage für die Verwendung des Nutri-Scores schaffen und dem Kabinett zur Zustimmung vorlegen zu wollen. »Das ist ein Meilenstein in der Ernährungspolitik.«

Positive Reaktionen

Die ersten Reaktionen von Fachgesellschaften auf die Ankündigung fielen positiv aus. So teilte die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) mit, sie begrüße die Einführung des Scores sehr. »Die Umfrage des Ministeriums bestätigt eindrücklich die zahlreichen wissenschaftlichen Nachweise zur Wirksamkeit des Labels. Mit der Entscheidung für den Nutri-Score leistet Frau Klöckner direkt einen Beitrag, eine gesunde Ernährung zu fördern.« Die Kennzeichnung könne aber nur einer von mehreren Bausteinen auf diesem Weg sein. Notwendig seien weitere Schritte, unter anderem ein Verbot von an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Produkte, wie es die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) begrüßt das Ergebnis. Denn wissenschaftliche Erkenntnisse zeigten, dass der Nutri-Score wirkt. »In über 35 Studien wurde bewiesen, dass er für alle Bevölkerungsschichten verständlich ist und dass er am ehesten bewirkt, dass die Menschen gesündere Lebensmittel einkaufen«, schreibt die DGEM in einer ersten Stellungnahme.

 

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