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Tamoxifen

Jede sechste Brustkrebs-Patientin ist nicht adhärent

Fast jede sechste jüngere Brustkrebs-Patientin nimmt nach einem Jahr ihr Tamoxifen nicht mehr wie verordnet ein, so das Ergebnis einer französischen Studie, die heute beim ESMO-Kongress in München vorgestellt wird. Damit setzen die Frauen ihr Leben aufs Spiel.
Daniela Hüttemann
19.10.2018  08:00 Uhr

Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs müssen in der Regel fünf bis zehn Jahre lang mit Hormonen behandelt werden. Am häufigsten wird der selektive Estrogen-Rezeptormodulator (SERM) Tamoxifen eingesetzt. »Das Thema ist wichtig, denn eine Non-Adhärenz bei der Hormontherapie kann mit einem höheren Mortalitätsrisiko und einer kürzeren Zeit bis zum erneuten Auftreten von Brustkrebs verbunden sein«, warnt die Hauptautorin und Onkologin Dr. Barbara Pistilli vom Institut Gustave Roussy im französischen Villejuif. Eine Non-Adhärenz ist definiert, wenn die Patientin weniger als 80 Prozent der verordneten Dosen einnimmt.

Für die prospektive Studie wurden erstmals die Patientinnen nicht nur zu ihrer Adhärenz befragt, sondern auch ihre Tamoxifen-Serumspiegel bestimmt. Die Daten stammen aus der CANTO-Kohorte mit 12.000 Teilnehmerinnen, in der langfristige Effekte von Nebenwirkungen der Brustkrebs-Behandlung untersucht werden sollen. Für ihre Studie untersuchten Pistilli und ihr Team eine Subgruppe von 1799 Patientinnen vor der Menopause mit Mammakarzinomen, die in einem frühen Stadium diagnostiziert wurden, und die eine adjuvante Hormontherapie erhielten. 

Bei 10,7 Prozent der Probandinnen war nach einem Jahr verordneter Therapie kein Tamoxifen im Blut nachweisbar. Bei weiteren 5,3 Prozent lag der Spiegel unter der Steady-State-Konzentration, die nach drei Monaten erreicht werden sollte, was auf eine ungenügende Adhärenz hinweist. Doch bei der Befragung hatte mehr als die Hälfte der Patientinnen verschwiegen, dass sie ihr Medikament nicht regelmäßig einnimmt. 

Im weiteren Verlauf der Studie soll ausgewertet werden, aus welchen Gründen die Patientinnen sich nicht an die Einnahme halten, zum Beispiel aus Angst oder tatsächlich erfahrenen Nebenwirkungen. Patientinnen mit dem höchsten Risiko für Non-Adhärenz müssten früh während ihrer Behandlung erkannt und ihnen gezielte Interventionen angeboten werden, sagt Pistilli. »Wir sollten uns die Zeit nehmen zu erkunden, ob die Patientinnen Nebenwirkungen erleiden, und offen über Non-Adhärenz reden, sodass wir ihnen Hilfe anbieten können.« Entsprechende Interventionen wollen die Forscher nun entwickeln.

Foto: Fotolia/Adiano

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