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Gegen Falschinformationen
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»InfoCure« will digitale Gesundheitsinformationen stärken

Eine aktuelle Umfrage der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass die Mehrheit der Befragten die Seriosität und Qualität von Online-Informationen zu Gesundheitsthemen anzweifelt. Mit einer internationalen Initiative will die Stiftung dem entgegenwirken.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 10.10.2025  08:00 Uhr

Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Stiftung hat ergeben, dass sich 59 Prozent der Social-Media-Nutzerinnen und -Nutzer dort schon häufig oder gelegentlich falsch informiert gefühlt haben. Bei denjenigen, die Suchmaschinen für Gesundheitsinformationen nutzen, sind es 47 Prozent, bei KI-Chatbots 41 Prozent. Hingegen fühlten sich nur 26 Prozent derjenigen, die bei Gesundheitsportalen nach Informationen gesucht haben, häufig oder gelegentlich falsch informiert.

Der Anteil derjenigen, die gezielt online nach Gesundheitsinformationen suchen, habe sich im Vergleich zu früheren Erhebungen noch deutlich erhöht. Dazu halten 93 Prozent eine Qualitätssicherung bei gesundheitlichen und medizinischen Inhalten im Netz für wichtig. »Es gilt, Strukturen und Mechanismen zur Qualitätssicherung zu etablieren und sichere Orte im digitalen Raum zu schaffen, an denen Menschen freien Zugang zu verlässlichen und vertrauenswürdigen Gesundheitsinformationen erhalten«, so das Fazit der Analyse.

Denn falsche oder irreführende Informationen zu Gesundheitsfragen könnten große Schäden anrichten, sowohl auf individueller als auch auf gesamtgesellschaftlicher Ebene, sagt Daniela Schwarzer, Vorständin der Bertelsmann Stiftung, in einer Pressemitteilung der Stiftung und fügt hinzu: »Deshalb ist es wichtiger denn je, vertrauenswürdige Quellen für Gesundheitsinformationen im Internet zu schaffen, weiterzuentwickeln und transparent zu kennzeichnen.«

»Vertrauen in digitale Gesundheitsinformationen stärken«

Mit der neuen internationalen Initiative »InfoCure« will die Bertelsmann Stiftung versuchen, verlässliche Quellen zu fördern und das Vertrauen in digitale Gesundheitsinformationen zu stärken. Diese hat die Stiftung gemeinsam mit dem nationalen Forschungs- und Planungsinstitut im Gesundheitswesen »Gesundheit Österreich« (GÖG) sowie der Schweizer Careum Stiftung ins Leben gerufen. Ziel sei es, ein internationales Zertifizierungssystem zu schaffen, das Anbieter von Gesundheitsinformationen anhand wissenschaftlich fundierter Indikatoren objektiv überprüfe.

»Im digitalen Raum ist die Beurteilung von Informationen für die meisten Menschen besonders schwierig. Vertrauenswürdige Inhalte konkurrieren hier mit einer Vielzahl irreführender Informationen, die sich über Soziale Medien rasant ausbreiten können«, sagt Sebastian Schmidt-Kaehler, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung und fügt hinzu: »Vertrauen herzustellen und zu erhalten wird damit zu einer zentralen Herausforderung der digitalen Transformation.«

65 Prozent der Anfragen betreffen Arzneimittel

Insgesamt gaben 87 Prozent der Befragten an, dass sie online nach Informationen zu gesundheitlichen oder medizinischen Themen suchen. Frauen tun dies etwas häufiger als Männer (91 zu 83 Prozent). Ebenso suchen Personen mit hohem Bildungsgrad häufiger als diejenigen mit niedrigem Bildungsgrad (95 zu 77 Prozent).

Auf die Frage »Nach welchen gesundheitlichen oder medizinischen Themen haben Sie online bereits gesucht?«, bei der mehrere Antworten möglich waren, nannten 65 Prozent Arzneimittel und Medikamente. An zweiter Stelle landeten mit 62 Prozent Krankheiten, gefolgt von Krankheitssymptomen mit 60 Prozent. Auch Selbstbehandlung, etwa mit Hausmitteln, wurde von vielen (59 Prozent) gesucht. Hier sind die weiteren Suchanfragen:

  • Ernährung: 54 Prozent
  • Behandlungsmöglichkeiten (z.B. Operationen, Therapien): 52 Prozent
  • Bewegung und Fitness: 43 Prozent
  •   Impfungen: 38 Prozent
  • Psychische Gesundheit: 33 Prozent
  • Vorsorge-/Früherkennungsuntersuchungen: 38 Prozent
  • Verhütung: 12 Prozent
  • Suchtverhalten: 10 Prozent

Laut der Umfrage sind Suchmaschinen die beliebteste Quelle. Von den Personen, die Suchmaschinen kennen, nutzen 87 Prozent sie häufig oder gelegentlich zur Informationssuche im Gesundheitskontext. Auch Gesundheitsportale weisen mit 54 Prozent eine hohe Nutzungsrate auf. Bei KI-Chatbots sind es 40 Prozent, bei Messengerdiensten 36 Prozent und bei Social-Media-Plattformen 29 Prozent. Laut den Expertinnen und Experten der Bertelsmann Stiftung ist die Nutzung dieser Kanäle in den vergangenen Monaten stark angestiegen.

Für die Studie hat die Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen im August 2025 im Auftrag der Bertelsmann Stiftung eine Online-Befragung in Deutschland durchgeführt. Dabei wurden 2.000 Personen in Deutschland repräsentativ befragt, wie sie sich bei Suchmaschinen, KI-Chatbots, Social-Media-Plattformen, Messengerdiensten und Gesundheitsportalen zu gesundheitlichen und medizinischen Themen informieren.

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