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Efavirenz: In Afrika kein erhöhtes Suizidrisiko

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Efavirenz: In Afrika kein erhöhtes Suizidrisiko
 


Eine Studie in einer ländlichen Region Ugandas hat keinen Hinweis auf eine erhöhte Suizidalität durch die Anwendung des HIV-Mittels Efavirenz ergeben. Im Gegenteil: HIV-Patienten, die eine Therapie mit dem nicht nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmer (NNRTI) begannen, entwickelten sogar seltener Suizidgedanken als solche, die stattdessen den NNRTI Nevirapin erhielten. Das ist insofern erstaunlich, als eine Metaanalyse vor einigen Jahren Efavirenz mit einer erhöhten Rate von Depressionen und Suizidalität in Verbindung gebracht hatte. Die Autoren der aktuellen, im Fachjournal «Annals of Internal Medicine» erschienenen Untersuchung führen diese Diskrepanz auf mögliche genetische Unterschiede zwischen schwarzafrikanischen und kaukasischen Patienten zurück.

 

Der bereits 1999 eingeführte NNRTI Efavirenz wird in der antiretroviralen Kombitherapie nach wie vor breit eingesetzt. Fixkombinationen mit Efavirenz sind etwa Atripla® und Sustiva®. Neuropsychiatrische Nebenwirkungen, darunter Depression und Suizidalität, sind jedoch in westlichen Industrienationen der häufigste Grund für einen Therapieabbruch. In den USA wird Efavirenz seit Mai dieses Jahres nicht mehr als Erstlinientherapeutikum empfohlen, teils aufgrund dieser möglichen Nebenwirkung, teils weil Efavirenz anfälliger für Resistenzen ist als neuere Wirkstoffe. Die Weltgesundheitsorganisation hält dagegen in ihrer Empfehlung für die HIV-Therapie in Afrika südlich der Sahara noch an Efavirenz in der Erstlinie fest.

 

Die aktuelle Studie, an der 694 therapienaive Patienten aus dem Einzugsgebiet eines ländlichen Krankenhauses in Uganda teilnahmen, deutet darauf hin, dass diese Empfehlung auch nicht unbedingt geändert werden muss. Unter den 305 Patienten, die Efavirenz erhielten, entwickelten während der insgesamt 1200 Personenjahre der Studie 20 Prozent Depressionen und 6,2 Prozent hatten Suizidgedanken. Unter Nevirapin lagen die Anteile mit 32,1 Prozent beziehungsweise 12,1 Prozent deutlich höher. Um dem Hinweis nachzugehen, dass Efavirenz bei Schwarzafrikanern womöglich das Depressionsrisiko senkt, fordern die Autoren um Dr. Jonathan L. Chang von der Duke University in Boston, Massachusetts, weitere Studien mit dieser Population, die in bisherigen Untersuchungen unterrepräsentiert gewesen sei. (am)

 

DOI: 10.7326/M17-2252 (aktuelle Studie)

DOI: 10.7326/M14-0293 (Metaanalyse aus dem Jahr 2014)

 

25.06.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Riccardo Niels Mayer

 

 

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