Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Natalizumab: Bei Schwangerschaft absetzen

NACHRICHTEN

 
Natalizumab: Bei Schwangerschaft absetzen
 


Frauen mit Multipler Sklerose (MS), die ein Kind bekommen wollen, sollen den Adhäsions-Inhibitor Natalizumab (Tysabri®) erst bei einem positiven Schwangerschaftstest absetzen. Das empfehlen Forscher um Dr. Emilio Portaccio von der Don Carlo Gnocchi Stiftung in Florenz in einer aktuellen Publikation im Fachjournal «Neurology». Dieses Vorgehen ist laut ihrer Untersuchung mit dem geringsten Risiko für Mutter und Kind verbunden.

 

Für ältere MS-Medikamente wie Interferon-β konnte bereits gezeigt werden, dass die Einnahme während der Schwangerschaft fortgesetzt werden kann, ohne dass dies die Gesundheit des Kindes gefährdet. Entsprechende Daten fehlten bislang für den neueren Arzneistoff Natalizumab, der bei Patienten mit hochaktiver schubförmig remittierender MS zum Einsatz kommt, die mit anderen Arzneimitteln nicht zufriedenstellend behandelt werden können. Im Rahmen der Studie wurden 92 Schwangerschaften bei 83 Frauen erfasst, die auf Natalizumab eingestellt waren. Die Patientinnen nahmen das Medikament entweder bis zu einem positiven Schwangerschaftstest ein oder beendeten die Einnahme bereits vor der Schwangerschaft. Alles in allem war bei drei Viertel der Schwangerschaften der Fetus Natalizumab ausgesetzt, und zwar durchschnittlich etwa eine Woche lang.

 

Ein Vergleich der auf Natalizumab eingestellten Frauen mit anderen MS-Patientinnen, die während der Schwangerschaft Interferon-β oder gar keine MS-Medikamente anwendeten, zeigte, dass bei Ersteren das Risiko für eine Fehlgeburt zwar viermal höher war. Absolut betrug die Fehlgeburtenrate jedoch nur 17 Prozent und war damit nur geringfügig höher als in der Normalbevölkerung (14 Prozent). Ob auch Geburtsfehler häufiger auftragen, war nicht eindeutig feststellbar. Der Vergleich mit den anderen MS-Patientinnen zeigte allerdings auch, dass die mit Natalizumab behandelten Frauen dieses Medikament zur Krankheitskontrolle brauchten: Bei ihnen kam es in der Schwangerschaft sehr viel häufiger zu einem Schub oder zum Krankheitsprogress.

 

«Wenn Frauen unter Natalizumab schwanger werden wollen, sollten sie das Medikament bis zu einem positiven Schwangerschaftstest anwenden und erst dann absetzen» fasst Portaccio in einer begleitenden Pressemitteilung zusammen. Auf diese Weise lasse sich möglicherweise das bei diesen Frauen erhöhte Risiko für eine erhöhte Krankheitsaktivität während der Schwangerschaft reduzieren. (am)

 

DOI: 10.1212/WNL.0000000000005067

 

13.02.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Kostia

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

Weitere Nachrichten

 


Rauschdrogen: Weniger Vergiftungen mit Pilzen und Pflanzen

Die Notrufe wegen Vergiftungen mit rauschmittelhaltigen Pflanzen und Pilzen hat in den vergangenen Jahren in Deutschland abgenommen. Das...



Medizinisches Cannabis: Regierung sieht keine Lieferprobleme

Der Bedarf an medizinischem Cannabis ist durch Importe offenbar ausreichend gedeckt.  Nach Einschätzung der Bundesregierung sind die seit...



Antiseptika: Resistenzgefahr bei Chlorhexidin und Co.

Die Entwicklung von Resistenzen gegen Antibiotika ist ein viel diskutiertes Problem. Weniger beachtet wird die Tatsache, dass auch der...



BVDAK-Positionspapier: Fairer Wettbewerb statt Versandverbot

Der Bundesverband deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) hält ein Versandhandelsverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel für...

 
 

Kammer Thüringen: Apotheker haben das bessere Angebot!
Die öffentlichen Apotheken sind mit der Versorgung von 3,6 Millionen Patienten pro Tag, mit 250.000 Botengängen und dem Nacht- und...

Kinderärzte: Zu wenig Zeit für psychische Probleme
Die Behandlung psychosomatischer Erkrankungen bei Kindern kommt aus Sicht von Kinderärzten in Deutschland oft zu kurz. Die derzeit mehr als...

Krankenhausentlassung: Patientenbrief statt Arztlatein
Patienten sollen eine stärkere Position im Gesundheitssystem bekommen und besser informiert werden. Die Kommunikation mit den Patienten...

Abschaffung der Ärztebudgets: Vorstoß gescheitert
Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) ist bei der Gesundheitsministerkonferenz in Düsseldorf mit seinem Vorstoß...

Zum Kiffen in die Apo: Modellprojekt in Niedersachsen fraglich
Voerst wird es wohl nichts mit einem Modellprojekt zur Abgabe von Cannabis zu Konsumzwecken aus den niedersächsischen Apotheken: Mit ihrer...

Tiermedizin: Immer weniger Ärzte wollen Nutztiere behandeln
An den Tierhochschulen studieren fast nur Frauen – und die wollen sich meist um Haustiere und nicht um Rinder und Schweine kümmern. Dieser...

Stechmücken: Tropeninfektionen bald auch in Deutschland?
Im Zuge der Globalisierung gelangen tropische Stechmücken wie die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus im Gepäck von Reisenden oder über...

Krankenhaus: Jeder vierte eingelieferte Patient mangelernährt
Trotz der Zunahme von Übergewicht in Deutschland wird auch mangelhafte Ernährung zu einem wachsenden Problem. «Gut 25 Prozent aller...

Stationsapotheker: Minister fordern Unterstützung vom Bund
Der Einsatz von Stationsapothekern könnte aus Sicht der Bundesländer für mehr Qualität in deutschen Kliniken sorgen. Das machen die...

Rezepturen für Kinder: Suspensionen besser als Kapseln
Mittlerweile verordnen immer mehr Kinderärzte Rezepturen als Suspensionen statt als Kapsel – ein positiver Trend, findet PTA-Schullehrerin...

«Datenklau»: Verteidiger beantragt Einstellung des Verfahrens

Die ursprüngliche Ermittlungsakte sei wohl erst die Spitze des Eisbergs gewesen, betonte Rechtsanwalt Nikolai Venn beim heutigen...

Lieferengpässe: Gesundheitsminister drängen auf Lösungen
Die Gesundheitsminister der Länder wollen verstärkt gegen Lieferengpässe bei Arzneimitteln vorgehen. Das geht aus einem Beschluss hervor,...

Kassenfinanzen: Weitere 416 Millionen Euro Überschuss
Das Finanzpolster der Krankenkassen wird immer dicker: Im ersten Quartal 2018 haben sie erneut einen Überschuss erzielt, diesmal in Höhe...

PGEU: Neuer Präsident für 2019 gewählt
Die Pharmaceutical Group of the European Union (PGEU), der Zusammenschluss der Apotheker der Europäischen Union, hat auf ihrer diesjährigen...

Antibiotika für Tiere: EU will Pharmafirmen belohnen
Pharmaunternehmen sollen in der EU künftig Vorteile winken, wenn sie neue Antibiotika für Tiere entwickeln. Das geht aus einer Novelle des...

Pflege: Mehr pflegende Angehörige bekommen Rente
Immer mehr pflegende Angehörige bekommen für die Zeit der Pflege eine Rente. Nach einem Jahr Pflege erhöht sich dadurch die monatliche...

Kiel: Kammer fordert ABDA zu mehr Transparenz auf
Die ABDA-Spitze steht derzeit im intensiven Gedankenaustausch mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Zukunft des Apotheken- und...

Cannabis: Jungen kiffen deutlich häufiger als Mädchen
In Deutschland hat der Anteil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Cannabis konsumieren, zugenommen. Das berichtet die...

LAK Hessen: Funke unterstützt bayerische Online-Petition
«Das Rx-Versandhandelsverbot ist nicht verhandelbar», erklärte Ursula Funke...

Bericht: Hunderte Opioid-Tote in britischer Klinik
Bis zu 650 Patienten sind einer Untersuchung zufolge in einem britischen Krankenhaus in einem Zeitraum von rund zehn Jahren wegen unnötig...

Noch mehr Meldungen...


PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 



ARCHIV DER HEFT-PDF

 
PDF der Druckausgabe zum Download
 









DIREKT ZU