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Lieferengpässe: Register als erster Schritt

POLITIK & WIRTSCHAFT

 
Lieferengpässe

Register als erster Schritt


Von Annette Mende, Berlin /  Dass es in Deutschland auch Engpässe bei der Lieferung lebensnotwendiger Arzneimittel gibt, ist mittlerweile anerkannt. Um diese frühzeitig zu erkennen, ist ein Melderegister im Gespräch. Dieses kann aber nur ein erster Schritt sein, denn die Ursachen des Problems löst es nicht.

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Generische Zytostatika und Antibiotika sind die Arzneistoffgruppen, die momentan am stärksten von Lieferengpässen betroffen sind. »Es geht hier nicht um irgendwelche Spezialpräparate, sondern um sehr gebräuchliche Wirkstoffe wie Cis- und Carboplatin, 5-Fluorouracil und Doxorubicin«, sagte Professor Wolf-Dieter Ludwig, Onkologe und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, beim »Branchentreff Onkologie« vergangene Woche in Berlin.




Experten fordern, dass der pharmazeutische Großhandel für bestimmte Arzneimittel eine längere Lieferfähigkeit garantieren kann. Dazu bedarf es einer Änderung im Arzneimittelgesetz.

Foto: Fotolia/unpict


Um Patienten bei drohenden Versorgungslücken möglicherweise auf ein anderes Präparat umzustellen, sei es unverzichtbar, dass Ärzte und Apotheker rechtzeitig informiert würden. Ludwig wiederholte daher die Forderung nach einem zentralen Melderegister, die unter anderem die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker bereits Ende Januar in einem Gespräch mit dem Bundesgesundheitsministerium erhoben hatte (lesen Sie dazu auch Lieferengpässe: Melderegister im Gespräch, PZ 06/2013).

 

Auch eine Änderung der gesetzlichen Bestimmungen ist aus Ludwigs Sicht erforderlich. Im Einzelnen geht es hier um die Paragrafen 73 Absatz 3 und 79 Absatz 5 des Arzneimittelgesetzes (AMG), die das Inverkehrbringen von in Deutschland nicht zugelassenen Importarzneimitteln für einzelne Patienten beziehungsweise im Fall eines Versorgungsengpasses regeln. Torsten Hoppe-Tichy, Leiter der Krankenhausapotheke des Uniklinikums Heidelberg und Präsident des Berufsverbands Deutscher Krankenhausapotheker, fand dazu klare Worte: »Ich kenne seit Jahren keine einzige Krankenhausapotheke in Deutschland, die die Vorgaben des Paragrafen 73 (3) überhaupt noch umsetzen kann.« Alle Krankenhausapotheken hätten Vorräte von Importarzneimitteln, die laut Gesetz eigentlich verboten sind. Aber: »Wenn ich zum Beispiel bei Fosfomycin darauf warten müsste, dass ich das Präparat vorschriftsgemäß auf einer patientenbezogenen Basis importieren kann, dann ist der Patient leider tot, bis ich es habe.«

 

Zumindest was Paragraf 79 Absatz 5 angeht, konnte Dagmar Krüger, Ministerialrätin im Bundesministerium für Gesundheit, eine baldige Anpassung des Gesetzes ankündigen. Doch wird auch eine Erleichterung des Imports von Arzneimitteln, die in Deutschland nicht lieferbar sind, Engpässe höchstens kurzfristig überbrücken helfen. Unter anderem der CDU-Politiker Michael Hennrich hatte daher kürzlich vorgeschlagen, die Lagervorräte von Großhändlern aufzustocken, um unabhängiger von der aktuellen Lieferfähigkeit einzelner Hersteller zu sein.

 

Sechs Monate Lieferfähigkeit gefordert

 

In Berlin erneuerte Hennrich die Forderung, dass Großhändler bei bestimmten lebenswichtigen Arzneimitteln künftig sechs Monate statt wie bisher nur zwei Wochen lieferfähig sein müssten. »Damit könnte man das Problem zumindest teilweise lösen.« Das würde eine Änderung des Paragrafen 52b AMG bedeuten, der unter anderem die Lagertiefe von Großhändlern regelt. Zuvor müsste allerdings definiert werden, für welche Arzneimittel die Lagererweiterung gelten soll und wie die Großhändler für die entstandenen Mehrkosten entschädigt werden. Angesichts dieser noch offenen Punkte ist es relativ unwahrscheinlich, dass eine entsprechende Änderung noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg gebracht werden kann.

 

Doch auch eine deutliche Aufstockung der Lagerkapazitäten würde das grundlegende Problem nicht lösen. Denn dieses besteht darin, dass weltweit zwar immer mehr Arzneimittel gebraucht werden, sich die Herstellung generischer Wirkstoffe aber auf immer weniger Anbieter konzentriert. Diese befinden sich untereinander in einem knallharten Preiswettbewerb, der natürlich auch zulasten der Qualität geht – was wiederum den Ausfall ganzer Chargen zur Folge haben kann. Bereits 2011 brachten es Mandy L. Gatesman und Thomas J. Smith im »New England Journal of Medicine« auf den Punkt (doi: 10.1056/NEJMp1109772): »Der Hauptgrund für Arzneimittelknappheiten ist ökonomischer Natur. Hersteller werden keine generischen Arzneistoffe produzieren, wenn sie damit nicht genügend Geld verdienen.« /



Beitrag erschienen in Ausgabe 09/2013

 

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