Morbus Alzheimer: Bexaroten baut Plaques ab |

Das Zytostatikum Bexaroten fördert im Tiermodell den Abbau von β-Amyloid-Plaques im Gehirn, wie sie bei Morbus Alzheimer entstehen. Dies fanden US-amerikanische Forscher um Professor Dr. Gary Landreth von der Case Western Reserve University in Cleveland durch Untersuchungen an Mäusen heraus. Die Entstehung von Morbus Alzheimer wird heute allgemein auf die Ablagerung von Plaques aus bestimmten Proteinen im Gehirn, den β-Amyloiden, und einem damit verbundenen Zelluntergang zurückgeführt. Bereits im Jahr 2008 fand Landreth heraus, dass das Transportprotein Apolipoprotein E (ApoE), hauptsächlich für den Transport von Cholesterol zuständig, auch β-Amyloid-Plaques abbauen kann. Bexaroten ist ein Agonist am Retinoid-X-Rezeptor, welcher als Transkriptionsfaktor die Expression von ApoE reguliert. Durch eine Stimulation des Rezeptors wird ApoE verstärkt exprimiert und der Abbau der Plaques gesteigert.
Wie die Wissenschaftler im Magazin «Science» berichten, war die Konzentration löslicher β-Amyloide im Mausmodell des Morbus Alzheimer bereits sechs Stunden nach Gabe von Bexaroten um 25 Prozent gefallen. Dieser Effekt hielt drei Tage an. Innerhalb von 72 Stunden war mehr als die Hälfte aller Plaques beseitigt. Insgesamt konnten die Forscher eine Reduktion um 75 Prozent erzielen.
Auch im Verhalten der Tiere zeigte sich eine Verbesserung. Die Forscher stellten den Mäusen zum Nestbau geeignetes Material, in diesem Fall Papiertaschentücher, zur Verfügung. An Alzheimer erkrankte Mäuse hatten den typischen Nestbau-Instinkt verloren. Ihnen fehlte die Fähigkeit, die Tücher mit einem Nest zu assoziieren. 72 Stunden nach der Behandlung mit Bexaroten begannen sie jedoch, mithilfe des Papiers ein Nest zu bauen.
Noch ist unklar, inwieweit die Ergebnisse aus dem Tiermodell auf Menschen übertragbar sind. Bexaroten ist in Deutschland (Targretin®, Eisai) seit 2002 als Orphan Drug zur Behandlung des cutanen T-Zell-Lymphoms zugelassen. (va)
doi: 10.1126/science.1217697
13.02.2012 l PZ
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