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Gewalt und Aggression
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In Gesundheitsberufen keine Seltenheit

Aggressive Übergriffe auf Beschäftigte im Gesundheitswesen kommen häufiger vor, als man denkt, und werden als große Belastung wahrgenommen. Präventive Hilfsangebote können Betroffenen helfen, das Erlebte zu verarbeiten, und schützen den Betrieb vor Arbeitsausfall.
AutorKontaktUlrike Abel-Wanek
Datum 07.04.2022  09:00 Uhr

Mit professioneller Hilfe Tabus aufbrechen

Betroffene und Betriebe im Gesundheits- und Sozialbereich tun sich schwer, mit dem Thema Gewalt offen umzugehen. Aggression passt nicht ins Bild von der Arbeit mit kranken Menschen. Auch die Ausübung von Gewalt durch Mitarbeitende ist ein Tabuthema. »Jede Gewalterfahrung kann als persönliches Versagen bewertet werden und die Mitarbeitenden schweigen aus Scham- oder Schuldgefühlen. Auf betrieblicher Ebene behindern auch bisweilen Sorgen ums Image eine systematische Prävention«, weiß Schambortski. Dabei könnten alle Beteiligten gewinnen, wenn sie die Tabus aufbrechen. Opfer von Übergriffen erhalten professionelle Hilfe, und der Betrieb gewinnt wichtige Erkenntnisse für die künftige Vorsorge. Eine wichtige Rolle für die Kommunikation im Betrieb spielten dabei die Führungskräfte, die das Thema immer wieder ansprechen sollten.

Prävention durch Risikoanalyse

Was kann passieren? Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Fall von Gewaltausübung eintritt? Wie schlimm kann es werden? Mit Blick auf die Arbeitsbereiche hilft eine Bestandsaufnahme zu klären, welchen Risiken und Gefährdungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgesetzt sind und kann Problembereiche identifizieren. Besonders relevant ist das, wenn jemand alleine im Betrieb arbeitet. Ob Handlungsbedarf bestehe, zeige dabei eine systematische Risikoanalyse aus den Faktoren Eintrittswahrscheinlichkeit und Folgenschwere, schreibt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) in einer Handlungshilfe für Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen. Hat ein Übergriff stattgefunden, muss er dokumentiert werden, einerseits zur rechtlichen Absicherung beteiligter Personen, andererseits als Grundlage für die weitere Gefährdungsbeurteilung.

Präventive Hilfe erhalten Betroffene nach Extremerlebnissen bei der Arbeit, um gesundheitliche Folgen abzuwenden. Die BGW bietet ihren Versicherten in solchen Situationen unter anderem eine telefonisch-psychologische Beratung an. Darüber hinaus finanziert die Berufsgenossenschaft bei entsprechender Indikation die Psychotherapie von Versicherten nach einem Gewaltereignis, beispielsweise wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter in einer Apotheke durch einen Überfall traumatisiert wurde.

Weitere Informationen zum Umgang mit Gewalt.

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