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Engpässen vorbeugen
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»In der Krise sind Fähigkeiten besser als Vorräte«

Wann die nächste Pandemie kommt, ist nur eine Frage der Zeit. Wie kann sich Deutschland künftig besser vor Versorgungsengpässen schützen? Darum ging es in einer Podiumsdiskussion beim »Tag der innovativen Gesundheitswirtschaft« am Donnerstag in Berlin. Eingeladen hatte der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa).
AutorKontaktAnne Orth
Datum 21.06.2024  15:16 Uhr
»In der Krise sind Fähigkeiten besser als Vorräte«

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie abhängig Deutschland bei der Herstellung von Arzneimitteln ist. Ist die hiesige Gesundheitswirtschaft auf die nächste Krise vorbereitet? Darüber diskutierten am Donnerstagnachmittag Thomas Müller, Leiter der Abteilung Arzneimittel, Medizinprodukte und Biotechnologie beim Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Tino Sorge (CDU), gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, Daniel Steiners, Vorstand der Roche Pharma AG und Professor Achim Wambach, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschafsforschung (ZEW).

Deutschland sei verhältnismäßig gut durch die Corona-Pandemie gekommen, habe sich aber bei der Herstellung von Wirkstoffen insbesondere von China und Indien viel zu abhängig gemacht, bemängelte Roche-Vorstand Steiners. Allein eine Fabrik aufzustellen, nütze nichts. Die Industrie benötige auch die nötigen Rohstoffe, zudem brauche der Aufbau neuer Produktionsstätten Zeit. »Wir müssen neue Investitionen ins Land holen«, forderte Steiners.

Industrie braucht verlässliche Rahmenbedingungen

Um Unternehmen dazu zu bringen, sich hierzulande anzusiedeln, seien jedoch Anreize notwendig – zum Beispiel ein »freundliches Umfeld«. »Die Industrie braucht stabile, verlässliche Rahmenbedingungen«, betonte der Roche-Vorstand. Das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz sei nicht vertrauensfördernd gewesen. Steiners kritisierte insbesondere den erhöhten Herstellerrabatt und forderte, das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) »gemeinsam weiterzuentwickeln«.

»Das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz war für die Pharmabranche ein Schlag in die Magengrube«, pflichtete CDU-Gesundheitsexperte Tino Sorge Steiners bei. Grundsätzlich habe sich das AMNOG aber bewährt. Entscheidend sei, die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass es für Unternehmen wieder attraktiver werde, in Deutschland zu produzieren. Das sei notwendig, damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibe. Sorge schlug vor, die neuen AMNOG-Regelungen mit dem Medizinforschungsgesetz wieder abzuschaffen. Zudem müssten Anreize anders gesetzt werden. Dabei brachte der Bundestagsabgeordnete »längere Patentlaufzeiten in Europa« ins Spiel. Gesprächsformate hält Sorge ebenfalls für wichtig.

»Aktuell sind wir sehr viel besser auf eine Krise vorbereitet, weil wir gerade eine durchgemacht haben«, sagte BMG-Abteilungsleiter Müller. Während der Pandemie hätten in erster Linie Fähigkeiten geholfen. Die Firmen hätten sich an die Krise angepasst. »Fähigkeiten sind besser als Vorräte«, betonte Müller.

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