Die Grippeimpfung kann Krankheitsfälle verhindern und den Verlauf einer Influenza abmildern. Dennoch waren in der letzten Grippesaison nur 34,5 Prozent der über 60-Jährigen geimpft. / © shutterstock/Pixel-Shot
Für einen Teil der Bevölkerung wird die jährliche Grippeschutzimpfung im Herbst empfohlen, andere können sich damit schützen, wenn sie möchten. Die Wirkung hält mehrere Monate und schützt für die Saison.
Die Impfstoffe setzen sich aus den Antigenen weltweit zirkulierender Varianten zusammen. Da Grippeviren sich im Gegensatz zu anderen Viren fortlaufend verändern, passen Hersteller ihre Impfstoffe jedes Jahr jeweils an die Virusstämme und -varianten an, die voraussichtlich in der kommenden Grippesaison zirkulieren, erklärt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) auf Anfrage.
Grundlage sind demnach Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO und des Ausschusses für Humanarzneimittel bei der Europäischen Arzneimittelagentur. Sie betrachten weltweit zirkulierende Varianten der Influenzaviren. Meist werde im Februar eine Prognose für die im folgenden Winter herrschenden Virusvarianten getroffen.
Für die Grippesaison 2026/2027 wurden alle drei in den Impfstoffen enthaltenen Stämme angepasst. Dies beruhe auf der veränderten Antigenität der zirkulierenden Viren – also der Erkennbarkeit der Viren durch die nach der Impfung gebildeten Antikörper, erklärt das PEI. Für die zirkulierenden Viren wurden deutliche antigenetische Unterschiede gegenüber den bisherigen Impfstoffreferenzviren beobachtet.
Der Impfstoff sei angepasst worden, weil sich alle drei Stämme in den letzten Jahren deutlich verändert hätten, erklärt Professor Dr. Leif-Erik Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin an der Charité – »mit dem Ziel, den Impfstoff besser an die zirkulierenden Viren anzupassen«.
»Ich würde daraus nicht primär schließen, dass wir eine viel stärkere Grippesaison bekommen«, so Sander. Mit der noch recht neuen Influenza-Variante A(H3N2) der Subklade K seien bereits im vergangenen Jahr viele Menschen in Kontakt gekommen. Zudem sei der Grippeimpfstoff nun auch darauf angepasst worden. Im vergangenen Jahr habe es zwar eine ausgeprägte Grippesaison mit vielen Erkrankten und vollen Krankenhäusern gegeben, insgesamt sei die Saison aber nicht außergewöhnlich schwer verlaufen. »Auch auf der Südhalbkugel, wo der Winter jetzt ausläuft, gab es keine ganz so schwere Grippesaison.«
Der genaue Verlauf einer Grippesaison sei im Vorhinein nicht abzusehen, teilt das PEI mit. Der tatsächliche Impfschutz hänge davon ab, wie gut die Stammanpassung zum jeweiligen Zeitpunkt zu den tatsächlich zirkulierenden Virusstämmen passt. Aber auch das Alter der geimpften Personen und frühere Influenzainfektionen oder -impfungen spielen eine Rolle. Der Impfschutz lässt mit der Zeit wieder nach, es hängt also auch vom Zeitpunkt der Grippeinfektion ab.
Aber auch weniger wirksame Impfstoffe verhindern viele Krankheitsfälle und Influenza-Erkrankungen verlaufen bei geimpften Personen typischerweise milder.
Denn trotzdem gilt: »Die Grippewelle kommt immer, da kann man im Grunde die Uhr danach stellen. Jedes Jahr sterben viele Leute daran und es führt immer zu einer hohen Krankheitslast«, erklärt Sander. »Aber wir erwarten nicht, dass dieses Jahr eine besonders dramatische Grippewelle auf uns zurollt.«
Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt Impfungen gegen Grippe unter anderem für Menschen ab 60 Jahren sowie Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangere und Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Außerdem wird sie auch für Kinder und Jugendliche mit bestimmten Grunderkrankungen empfohlen. Dazu gehören chronische Erkrankungen der Atmungsorgane, Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen, Adipositas und weitere. Die Influenza-Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen mit Grunderkrankungen sind der Stiko zufolge seit Jahren deutlich zu niedrig.
In der Saison 2024/25 waren laut dem Robert Koch-Institut (RKI) nur 34,5 Prozent der Menschen ab 60 Jahren gegen Grippe geimpft, damit hatte mehr als die Hälfte dieser Gruppe keinen Impfschutz. Sander betont, die EU habe als Ziel eine Impfquote von 75 Prozent, Deutschland liege aber regelmäßig deutlich darunter. »Die Anpassung der Impfstoffe ist wichtig, aber vor allen Dingen brauchen wir eine bessere Impfquote.«
Andere Länder kommen auf höhere Impfquoten. Der EU-Durchschnitt lag in der Saison 2022/23 dem Statistischen Bundesamt zufolge bei 47 Prozent mit Bezug auf die Bevölkerung ab 65 Jahren.
Die Zahl der akuten Atemwegsinfekte liegt dem RKI zufolge derzeit auf einem moderaten Niveau und wird vor allem von Erkältungsviren wie Rhinoviren und Parainfluenzaviren sowie Enteroviren bestimmt. Die im Abwasser gemessene Last an Coronaviren (SARS-CoV-2) ist weiterhin niedrig, jedoch sei seit einigen Wochen ein leichter Anstieg zu verzeichnen, heißt es im RKI-Wochenbericht zu akuten respiratorischen Erkrankungen. Auch bei den Influenzaviren gibt es einen leichten Anstieg.