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EU-Kommission

Impfpflicht bleibt Ländersache

Die EU-Kommission beabsichtigt derzeit nicht, eine europaweite Impfpflicht gegen Masern und andere Erkrankungen einzuführen. Es gebe noch andere Möglichkeiten, die Impfraten zu steigern. Allerdings herrschen unter den Bürgern noch viele Vorurteile, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.
dpa
26.04.2019
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Die Kenntnisse über das Impfen sind nach einer am Freitag veröffentlichten Umfrage im Auftrag der EU-Kommission teils lückenhaft. So nähmen 48 Prozent der mehr als 27.000 Befragten fälschlicherweise an, dass Impfstoffe häufig ernste Nebenwirkungen hätten. In Deutschland sind es 46 Prozent. EU-weit glauben 38 Prozent, eine Impfung könne genau die Krankheit auslösen, vor der sie schützen soll. Unter den befragten Deutschen waren es 42 Prozent.

Mit Fragen über das Impfen wenden sich die allermeisten der Befragten, nämlich 79 Prozent, an ihren Arzt. Das Internet spielt laut Umfrage keine große Rolle. Nur 5 Prozent suchten demnach in sozialen Netzwerken und weitere 14 Prozent auf anderen Webseiten.

Die auch in Deutschland debattierte Impfpflicht ist aus Sicht der EU-Kommission kein Allheilmittel zur Eindämmung der Masern und anderer Infektionskrankheiten. «Zwang ist nicht die einzige Lösung», sagte Vizepräsident Jyrki Katainen der Deutschen Presse-Agentur und anderen europäischen Medien in Brüssel. «Es kann in einigen Ländern funktionieren, aber andere Organisationsformen des Impfens scheinen genauso wirksam zu sein.» Es liege allein im Ermessen der EU-Staaten, wie sie vorgehen, sagte der finnische Kommissar. Viel hänge davon ab, wie gut das Gesundheitssystem funktioniere und wie gut die Bürger informiert seien – und da hapert es offensichtlich noch immer stark. Die Impfraten sänken und Infektionskrankheiten nähmen zu. Allein von 2016 bis 2017 habe sich die Zahl der Masernfälle verdreifacht. «Unsere Bürger wissen nicht genug», fügte der Kommissionsvizechef hinzu.

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