| Melanie Höhn |
| 19.05.2026 13:00 Uhr |
Besonders scharf kritisierte er alternative Heilversprechen und dubiose Geschäftsmodelle: Im Netz tummelten sich »selbsternannte Geistheilerinnen und sonstige angebliche Gesundheitsexperten«, die »mit den Schwächen und Hoffnungen von Verbrauchern und Patienten Geld verdienen«. Das bestehende Recht komme mit dieser Entwicklung kaum hinterher. Zwar gebe es mit dem europäischen »Digital Services Act« erste Ansätze, problematische Inhalte schneller zu löschen, doch die Reaktionen der Plattformen seien oft unzureichend und zu langsam.
Als zentrale Herausforderung beschreibt Schuldzinski die Geschwindigkeit digitaler Desinformation. Anbieter änderten nach Abmahnungen einfach Produktnamen oder Werbeslogans und begännen erneut von vorne. Deshalb könne der Verbraucherschutz »den Sumpf an Falschinformationen« nicht allein trockenlegen. Notwendig seien politische Lösungen, stärkere Plattformregulierung und eine bessere digitale Gesundheitskompetenz der Bevölkerung.
Besonders kritisch sieht er die sogenannten KI-Deepfakes. Dabei setzen Kriminelle gezielt auf bekannte Persönlichkeiten, um Vertrauen zu wecken und Seriosität vorzutäuschen. Vor dem Betrug durch KI-Deepfake-Videos von Prominenten warnen die Verbraucherzentralen schon länger. Dabei geht es auch um Werbung für angebliche Medikamente gegen Diabetes, Schwerhörigkeit, Rücken- und Gedächtnisprobleme oder Prostatabeschwerden.
Der Arzt, Wissenschaftsjournalist und Autor Eckart von Hirschhausen hat am eigenen Leib erlebt, Opfer von KI-Deepfakes zu werden. Er sprach von einem systemischen und strukturellen Vertrauensproblem, wenn bekannte Namen oder Marken gezielt missbraucht würden.
Von Hirschhausen sprach von emotionaler Manipulation und personalisierter Werbung, die dazu führe, dass Menschen anfällig für falsche Heilversprechen werden. Besonders gefährlich sei, dass KI diese Inhalte skalierbar und präzise auf individuelle Schwächen zuschneide, bis hin zu gezielter Ansprache von Menschen mit konkreten Gesundheitsproblemen. »Zu glauben, dass wir das erkennen, ist Quatsch. Die Fakes werden immer besser«, sagte er.