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Spieglein, Spieglein an der Wand

Ideen braucht das Land

Mit kreativen Projekten wollen die Mitarbeiter der Frosch Apotheken in Roth bei Nürnberg die Gesundheitskompetenz ihrer Kunden stärken. In umgeschriebenen Märchen thematisieren sie Krankheitsbilder, um Tabuthemen zu brechen und für ein besseres Verständnis von Volkskrankheiten zu sorgen.
Carolin Lang
02.03.2020  12:00 Uhr

Bei der Gestaltung eines Märchen-Kalenders für das Jahr 2018 entwickelte das Team der Frosch Apotheken die Idee, Märchen umzuschreiben und verschiedene Krankheiten darin zu thematisieren. Ziel war es, gesundheitliche Tabuthemen mit etwas Positivem zu behaften, eine mögliche Hemmschwelle zu nehmen und für einen lockeren Gesprächseinstieg seitens der Kunden oder auch des Apothekenteams zu sorgen. Die Zielgruppe waren in erster Linie Erwachsene. »Wir wollten, dass die Kunden mit einem Augenzwinkern auch solche Themen gerne mit uns besprechen, die sonst vielleicht im Verborgenen geblieben wären«, sagte Angela Goldmann, eine der beiden Inhaberinnen der Frosch Apotheken und Autorin der Märchen, in einem Gespräch mit der PZ.

»Hänsel und Gretl und die Diabeteshexe«

Im Rahmen des Projekts sind zwölf Märchen entstanden, in denen Themen wie Haarausfall, Fußpilz, Burn-out oder Demenz behandelt werden. Dem Märchen des Monats entsprechend wurde auch das Schaufenster gestaltet, sodass das Thema auch in der Apotheke präsent war. Begleitend zu »Hänsel und Gretl und die Diabeteshexe« im Januar bot die Apotheke Sets mit Blutzuckermessstreifen und -messgeräten an. Die Kunden konnten so zu Hause ihren Blutzucker messen und kontrollieren. Bei auffälligen Werten verwiesen die Mitarbeiter der Frosch Apotheke sie an den entsprechenden Hausarzt. »So konnten wir zwei Kunden mit zu hohen Blutzuckerwerten identifizieren. Es hat uns als relativ kleine Apotheke unheimlich gefreut, dass wir damit zwei sonst eventuell unentdeckten Diabetikern helfen konnten«, so Goldmann.

Ergänzend zu den Märchen nahm das Apothekenteam eine Fotostrecke auf, bei denen die Mitarbeiter selbst als Märchenfiguren posierten. Dieser kreative Prozess habe sich zusätzlich als Teambildungsmethode herausgestellt und für gute Stimmung gesorgt. Die Fotos wurden als Plakate in der Apotheke aufgehängt und auf der Facebook-Seite der Apotheke veröffentlicht. Lothar Popp, der ehemalige Chef der Apotheke und Vater der jetzigen Inhaberinnen, verkörperte beispielsweise den »bösen Wolf« zum Thema Sodbrennen, was die Kunden amüsierte und die Distanz nahm. »So konnten wir beim Kunden nachfragen: Hatten Sie auch schon einmal Sodbrennen? Es war nicht so, als hätte man das Thema aus dem Nichts angesprochen«, sagte Goldmann.

Positives Feedback der Kunden

»Das Feedback war sehr positiv«, resümierte sie. Kunden, die mit einem Anliegen zu einem der Märchenthemen in die Apotheke kamen, konnten ihr Problem leichter ansprechen. Andere wiederum haben die Märchen zum Anlass genommen, sich zu einem Thema zu informieren. Es habe Nachfragen gegeben wie: Konnte Rapunzel denn mit ihrem Haarausfall geholfen werden? »Man kam einfach schöner ins Gespräch. Auch das Thema Demenz kam auf – durch Rumpelstilzchen, das seinen Namen vergessen hatte. Das ist ein Thema, das Kunden von sich aus nicht unbedingt ansprechen. Unser eigentliches Ziel ist um Längen übertroffen worden.«

2019 haben dann Gute-Nacht-Geschichten mit einem Frosch als Hauptcharakter den Kalender geziert. Auch hier wurden in den Geschichten gesundheitliche Themen aufgegriffen. Aktuell legt die Apotheke Flyer mit Gedichten zu Gesundheitsthemen sowie Informationen und Produktempfehlungen dazu aus. Auch für 2021 ist bereits ein Projekt in Planung, mehr verriet Goldmann dazu aber noch nicht.

Goldmann sieht in der intensiven Beratung einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Gesundheitskompetenz. »Wir definieren uns über unsere Beratung. Sie ist wichtig, weil uns das vom Internet abhebt. Und für mich ist die Beratung unsere Daseinsberechtigung und Überlebenschance in diesen Zeiten«, sagte sie abschließend.

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