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Neues Antitussivum

Husten weg – Geschmack aber auch

Das neuartige Antitussivum Gefapixant hat in einer Phase-IIb-Studie eine relativ starke Wirksamkeit gegen chronischen Husten bewiesen. Unter der höchsten Dosis entwickelte aber fast die Hälfte der Patienten Geschmacksstörungen.
Annette Mende
26.02.2020
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Gefapixant ist ein von der Firma MSD entwickelter Hustendämpfer mit einem neuen Wirkansatz. Die Substanz blockiert P2X3-Rezeptoren, die sich vor allem auf vagalen afferenten Nerven der Atemwege finden. Sie gehören zu den sogenannten purinergen Rezeptoren oder auch Purinozeptoren und werden vom Energie-Speichermolekül ATP stimuliert. Es wird vermutet, dass ATP, das infolge einer (chronischen) Entzündung der Atemwege vermehrt freigesetzt wird, über eine Aktivierung der P2X3-Rezeptoren zu einer Sensibilitätssteigerung sensorischer Neurone und somit letztlich zu einer Verstärkung des Hustenreflexes beiträgt.

Im Fachjournal »The Lancet Respiratory Medicine« stellt eine Gruppe um Professor Dr. Jaclyn A. Smith von der University of Manchester jetzt die Ergebnisse einer Phase-IIb-Studie mit Gefapixant vor. Demnach erhielten 253 Patienten mit chronischem Husten über zwölf Wochen zweimal täglich entweder 7,5 mg, 20 mg oder 50 mg Gefapixant oder Placebo. Die Teilnehmer hatten unerklärlichen oder nicht behandelbaren Husten, an dem sie im Durchschnitt bereits seit 14,5 Jahren (mindestens seit einem Jahr) litten. 70 Prozent der Teilnehmer hatten nie geraucht, das Durchschnittsalter betrug 60 Jahre, drei Viertel der Probanden waren weiblich – ein Kollektiv, das laut einer Mitteilung von »The Lancet« der typischen Klientel von Hustenambulanzen entspricht.

Zu Studienbeginn husteten die Teilnehmer durchschnittlich 24 bis 29 Mal pro Stunde. Dieser Wert war am Ende des Behandlungszeitraums auf 18 Mal (Placebo), 15 Mal (7,5 mg Gefapixant), 12 Mal (20 mg Gefapixant) und 11 Mal (50 mg Gefapixant) gesunken. Der Unterschied zur Placebogruppe war nur bei der höchsten Gefapixant-Dosierung statistisch signifikant (-37 Prozent).

Geschmacksstörungen wurden, wie schon in früheren Studien, als häufigste Nebenwirkung beobachtet. Von einer sogenannten Dysgeusie waren 5 Prozent (Placebo), 10 Prozent (7,5 mg Gefapixant), 33 Prozent (20 mg Gefapixant) und 48 Prozent (50 mg Gefapixant) der jeweiligen Studienarme betroffen. Von den Patienten mit der höchsten Gefapixant-Dosierung brachen zehn die Studie aufgrund der Beeinträchtigungen des Geschmackssinns ab.

Eine Limitation der Studie ist der starke Placeboeffekt, der in dieser Ausprägung in früheren Studien nicht zu verzeichnen war. Die Autoren erklären ihn sich damit, dass die Erwartung der Patienten durch die positiven Ergebnisse früherer Untersuchungen hoch gewesen seien. Auch habe bei drei Verum- und nur einer Placebogruppe eine große Wahrscheinlichkeit bestanden, die aktive Substanz zu erhalten, was ebenfalls den Placeboeffekt verstärken kann.

Gefapixant wird jetzt in Phase-III-Studien an größeren Probandenzahlen getestet. Der Bedarf für ein wirksames Antitussivum bei chronischem Husten ist groß: Schätzungsweise 4 bis 10 Prozent der Bevölkerung husten länger als acht Wochen am Stück, ohne dass ein Auslöser dafür bekannt ist.

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