| Daniela Hüttemann |
| 03.07.2026 18:00 Uhr |
Schmerzen sind alles andere als schlaffördernd, umgekehrt begünstigen Schlafprobleme auch das Schmerzempfinden. Melatonin könnte beides mit einer Klappe schlagen, allerdings darf man nur einen moderaten Effekt erwarten. / © Getty Images/Tetra Images
In einem systematischen Review mit Metaanalyse haben Forschende um den Doktoranden und Erstautor Kangchao Wu von der School of Health Science der Universität Sydney, Australien, die Erkenntnisse zu Melatonin bei Muskel- und Knochenschmerzen zusammengetragen.
Eingeschlossen wurden 23 placebokontrollierte oder Vergleichsstudien mit Analgetika wie nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR), Paracetamol und Opioiden. Insgesamt nahmen daran 2028 Personen mit muskuloskelettalen Schmerzen teil, darunter solche mit klassischen Rückenschmerzen, Arthrose und Fibromyalgie sowie solche nach Gelenkersatzoperationen oder Eingriffen an der Wirbelsäule. Veröffentlicht wurde die Auswertung jetzt im Fachjournal »Pain«.
Die Auswertung ergab, dass Melatonin die Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 100 im Durchschnitt um etwa neun Punkte linderte, wobei die strengsten Studien eine Linderung von fast zehn Punkten zeigten – eine ähnliche Wirkstärke wie bei weit verbreiteten Schmerzmitteln. Während Melatonin bei Patienten mit chronischen Schmerzen die Schlafqualität verbesserte, war dies bei den postoperativen Patienten nicht der Fall. Nebenwirkungen waren leicht, vorübergehend und auf Placeboniveau. Am häufigsten traten Übelkeit, Benommenheit und Kopfschmerzen auf.
»In den verschiedenen Studien variierten die Melatonin-Dosis und der Einnahmezeitpunkt je nach Erkrankung und Behandlungsumfeld«, heißt es in einer begleitenden Pressemitteilung der Universität Sydney. Bei chronischen Schmerzen des Bewegungsapparats lagen die Dosen in der Regel zwischen 3 und 10 mg, wobei 3 mg pro Tag am häufigsten verabreicht wurden. Bei postoperativen Schmerzen lagen die Dosen zwischen 1 und 10 mg, wobei 5 bis 6 mg am häufigsten verabreicht wurden. Melatonin wurde in der Regel vor dem Schlafengehen oder bis zu einer Stunde vor dem Einschlafen eingenommen.
Die Forschenden fanden keine Hinweise auf einen eindeutigen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang, was bedeutet, dass sich anhand der derzeitigen Erkenntnisse keine einzelne optimale Dosis empfehlen lässt.
»Melatonin könnte bei Menschen mit chronischen muskuloskelettalen Schmerzen einen moderaten Nutzen bei der Schmerzlinderung bieten, während die Evidenz hinsichtlich postoperativer Schmerzen nach wie vor begrenzt ist«, so das Fazit. Obwohl die Schätzungen des Behandlungseffekts mit denen herkömmlicher Analgetika vergleichbar waren, erreichten die meisten nicht die Schwellenwerte für den minimal klinisch bedeutsamen Unterschied, die Gewissheit war gering bis moderat.
»Melatonin könnte als potenzielle Zusatztherapie und nicht als Primärbehandlung in Betracht gezogen werden, bis randomisierte kontrollierte Studien mit standardisierter Dosierung und längerer Nachbeobachtungszeit vorliegen«, empfehlen die Review-Autoren.
»Melatonin ist bereits in vielen Haushalten vorhanden, es ist preiswert, und wir wissen, dass es sicher ist«, so Hauptautor Wu. Als Kombinationspartner könnte es den Gebrauch von Schmerzmitteln reduzieren. Die Forschenden empfehlen, dass Patienten eine Melatonin-Einnahme vorher mit ihrem Arzt besprechen und nicht eigenmächtig ihre Schmerzmedikation durch Melatonin ersetzen.