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Arzneimittel

Herstellung soll europäischer werden

Um in Zukunft unabhängiger von globalen Lieferketten zu sein, fordern Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Ärztepräsident Klaus Reinhardt die Arzneimittelproduktion verstärkt in Europa anzusiedeln.
dpa
PZ
25.05.2020
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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will sich auf EU-Ebene für ein gemeinsames europäisches Projekt für die Arzneimittelproduktion einsetzen. Der CDU-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur: »Es ist keine gute Idee, die Globalisierung zurückzudrehen, aber es ist die richtige Idee, einseitige Abhängigkeiten zu minimieren und in sensiblen Bereichen die nationale Souveränität zu behaupten oder wiederzugewinnen.«

Altmaier sagte, er habe deshalb bereits zwei Initiativen bei der Halbleiterproduktion und Batteriezellenherstellung gemeinsam mit verschiedenen europäischen Partnern aufs Gleis gesetzt. »Ich kann mir auch gut ein gemeinsames europäisches Projekt für die Arzneimittelproduktion vorstellen. Auch hieran arbeiten wir bereits.« Bei der Fertigung von Batteriezellen für Elektroautos dominieren bisher Anbieter aus Asien den Markt. Geplant ist nun der Aufbau einer großen Produktion in Europa und Deutschland. Auch viele Wirkstoffe für Arzneien werden aus Kostengründen in Fernost hergestellt – etwa für Antibiotika in China und Indien. Die Bundesregierung hatte bereits den Ausbau der Produktion medizinischer Schutzausrüstungen in Deutschland vorangetrieben, um unabhängiger zu werden. 

Auch der Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt fordert als eine Lehre aus der Coronavirus-Krise mehr europäische Eigenständigkeit bei der Herstellung von medizinischer Schutzausrüstung und Arzneimitteln. »Deutschland und Europa müssen bei Schutzausrüstung und Medikamenten die Abhängig von Fernost deutlich reduzieren und eigene Produktionsstätten fördern«, sagte Reinhardt der »Passauer Neuen Presse« (Montag).

Zudem forderte er, Krankenhäusern solle »das Vorhalten von Personal und Technik finanziert werden«. »Kliniken sind Einrichtungen der Daseinsfürsorge und keine Industriebetriebe, die sich ausschließlich an Rentabilitätszahlen ausrichten.« Der Ärztepräsident sagte zugleich, das deutsche Gesundheitssystem sei »mit dieser Pandemie im internationalen Vergleich mit am besten fertig geworden« - einen Komplettumbau halte er deshalb für unnötig und sogar schädlich. Reinhardt hält es für »sehr wahrscheinlich, dass wir eine zweite Welle der Coronavirus-Pandemie erleben werden, weil wir keine ausreichende Immunität in der Bevölkerung haben. Wir sollten jetzt diese Phase nutzen, um uns so gut wie möglich darauf vorzubereiten.«

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