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Nebenwirkung Depression

Gut für den Körper, schlecht für die Seele

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) wie Omeprazol stehen ebenfalls im Verdacht, das Risiko für affektive Störungen zu erhöhen. In einer Studie aus dem Jahr 2018 zeigte sich ein Zusammenhang zwischen der Einnahme von PPI und Depressionen bei älteren Menschen: Je höher die Dosis war, desto höher war das Erkrankungsrisiko (DOI: 10.1017/S1041610217001715). Die Autoren dieser Studie konnten keinen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Antacida und H2-Blockern mit Depressionen feststellen, es gibt allerdings Einzelfallberichte, die einen Zusammenhang zwischen H2-Blockern wie Ranitidin und Depressionen nahelegen.

Auch bestimmte Schmerzmittel können vermehrt zu Depressionen führen. So zeigte sich in einer Studie, dass die Anwendung von Codein, Hydrocodon und Oxycodon in Monotherapie über einen Zeitraum von mehr als 30 Tagen das Risiko für Depressionen erhöhte (DOI: 10.1002/pds.3999). Die Höhe des Risikos unterschied sich von Wirkstoff zu Wirkstoff. So war das weniger potente Codein mit einem um 30 Prozent höheren Depressionsrisiko assoziiert als Hydrocodon.

Auch das nicht steroidale Antirheumatikum Ibuprofen kann in seltenen Fällen depressive Verstimmungen auslösen. Darauf weisen in Deutschland die informierenden Texte hin. Zudem sind Depressionen und Suizidgedanken unter anderem auch mit dem 5α-Reduktase-Hemmer Finasterid assoziiert, der bei benigner Prostatahyperplasie und bei androgenbedingtem Haarausfall eingesetzt wird.

Henne oder Ei?

Wenn es um den Kausalzusammenhang zwischen einer Medikation und affektiven Störungen geht, ist jedoch das sogenannte Henne-Ei-Problem nicht zu vernachlässigen. Hierzu Pollmächer: »Depressionen sind sehr häufige Erkrankungen und betreffen in einem Zwölf-Monats-Zeitraum etwa 10 Prozent der Bevölkerung. Bei einer so großen Häufigkeit ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Teil der Menschen, die ohnehin eine Depression erlitten hätten, zufällig gerade auch ein Medikament einnimmt, das ursächlich involviert sein kann.«

Die Vermutung, dass eine Substanz Depressionen auslösen kann, basiere in der Regel auf Studien, deren Ziel es sei, die erwünschte Wirkung eines Medikaments zu testen. »Da fällt dann eine Häufung von Depressionen, etwa im Vergleich zu Placebo, zufällig auf. Die daraus errechenbaren Wahrscheinlichkeiten erlauben es aber nicht, im Einzelfall eine Kausalität herzustellen.« Diese lasse sich nur belegen, wenn die depressiven Symptome nach Absetzen des Medikaments verschwänden und, »wenn man wissenschaftlich sehr streng ist«, bei einer Reexposition wieder aufträten, erklärt Pollmächer.

Bei vielen Patienten reiche ein Absetzen des Medikaments aus, um die depressive Verstimmung zu überwinden. Es könne aber auch passieren, dass ein Medikament bei vulnerablen Patienten oder solchen, die bereits eine Depression hatten, eine depressive Phase triggere, die sich dann verselbstständige und behandelt werden müsse – leitliniengerecht mit Psychopharmaka und/oder Psychotherapie.

Arzneimittelgruppe Beispiele für Substanzen
Nicht-Opioid-Analgetika Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen
Opioide Fentanyl, Codein, Hydrocodon, Morphin, Oxycodon
Antihypertensiva Atenolol, Metoprolol, Propranolol, Enalapril, Quinapril, Amlodipin, Clonidin
Corticosteroide Hydrocortison, Dexamethason, Prednisolon, Prednison
Gastrointestinal wirksame Arzneimittel Ranitidin, Cimetidin, Famotidin, Omeprazol, Esomeprazol, Pantoprazol
Hormonell wirksame Arzneimitel Konjugierte Estrogene, Desogestrel, Ethinylestradiol, Levonorgestrel, Finasterid, Goserelin
Weitere therapeutische Klassen Baclofen, Flecainid, Haloperidol, Methyldopa, Metronidazol
Beispiele für Arzneimittel mit dem möglichen Potenzial, Depressionen auszulösen.
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