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Pille danach

Gut aufgehoben in der Apotheke

Wie häufig geben Apotheken Notfallkontrazeptiva ab?

Wie häufig geben Apotheken Notfallkontrazeptiva ab?

Die meisten der an der Online-Umfrage teilnehmenden Apotheker (38,2 Prozent) gaben an, sechs bis zehn Packungen der »Pille danach« in den vorangegangenen drei Monaten abgegeben zu haben. 24,1 Prozent gaben im Schnitt weniger als fünf Packungen ab und 18,3 Prozent 11 bis 15 Packungen.

Dabei nahmen die Frauen in mehr als 30 Prozent der Fälle den Nacht- und Notdienst in Anspruch, schätzten die Umfrageteilnehmer. »Das zeigt, dass der niedrigschwellige Zugang gut funktioniert und Frauen die Möglichkeit zur spontanen Notfallkontrazeption nutzen«, so Schulz. Bei der Einnahme der Präparate sei das Zeitfenster kritisch. »Je eher die Betroffene an die Tablette kommt, umso besser.« Das scheinen auch die Betroffenen zu wissen: Viele kamen innerhalb von zwölf Stunden, die meisten innerhalb von drei Tagen, so die befragten Apotheker. Allerdings kommen Frauen auch mehr als fünf Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr, die dann an den Gynäkologen verwiesen werden. Als Hauptgründe für den Kauf eines Notfallkontrazeptivums wurden eine vergessene Einnahme des regulären Verhütungsmittels, ein geplatztes Kondom sowie ungeschützter Geschlechtsverkehr ohne Kinderwunsch genannt.

Levonorgestrel muss innerhalb von 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr angewendet werden, Ulipristalacetat innerhalb von 120 Stunden. Die Sicherheitsprofile beider Wirkstoffe gelten als vergleichbar. »Die Bundesapothekerkammer favorisiert in ihrem Leitfaden keine der beiden Substanzen, solange sie entsprechend der Fachinformationen ausgewählt werden«, so Schulz. Für Levonorgestrel spreche die längere Erfahrung, auch in Bezug auf die Sicherheit, während ein aktuelles Cochrane-ReviewUlipristalacetat als etwas wirksamer einstufe (DOI: 10.1002/14651858.CD001324.pub6).

Welche Herausforderungen gibt es?

Probleme bei der Beratung beziehungsweise Abgabe rezeptfreier Notfallkontrazeptiva sahen Apotheker mit Abstand am häufigsten in Situationen, in denen nicht die Betroffene selbst, sondern Dritte das Notfallkontrazeptivum verlangten. 82,8 Prozent hatten in den vorangegangenen drei Monaten diese Erfahrung gemacht. 44,3 Prozent erkannten zudem Unsicherheiten in der Eigendiagnose der Frau, zum Beispiel aufgrund mangelnder Sexualkenntnisse. 21,0 Prozent nannten sprachliche Verständigungsprobleme und 8,2 Prozent erkannten potenzielle Medikationsfehler bei der Anwendung.

Etwa drei von vier Befragten gaben an, dass Sie innerhalb der vorangegangenen drei Monate in mindestens einem Fall Bedenken hinsichtlich der korrekten und sicheren Anwendung der »Pille danach« gehabt hätten. Am häufigsten wurde angegeben, dass die Indikation für eine Notfallkontrazeption fraglich gewesen sei, da beispielsweise die reguläre Pille einmalig vergessen wurde, der Zeitpunkt des ungeschützten Geschlechtsverkehrs dabei aber weniger als zwölf Stunden zurücklag. 43,6 Prozent gaben dennoch sicherheitshalber das Notfallkontrazeptivum ab. »Wenn das Fünf-Tages-Fenster überschritten war, verweigerten drei Viertel der Befragten die Abgabe und fast alle verwiesen an einen Arzt«, so Schulz.

Wurde eine bereits bestehende Schwangerschaft vermutet, sahen ebenfalls fast alle Apotheker von einer Abgabe ab und verwiesen an den Gynäkologen. Bei Verdacht der Übertragung einer sexuellen Krankheit gaben 60 Prozent die Pille danach ab und rieten der Frau zusätzlich zum Arztbesuch. Insgesamt 43 Apotheker vermuteten sexuelle Gewalt hinter der Anfrage. Die Hälfte gab das Präparat ab und fast alle verwiesen an einen Arzt.

In anderen Fällen verweigerten die Apotheker in der Regel die Abgabe, zum Beispiel bei mehrmaliger Einnahme eines Notfallkontrazeptivums innerhalb eines Menstruationszyklus, einem Kauf der »Pille danach« auf Vorrat oder bei befürchteten klinisch relevanten Wechselwirkungen. Die Apotheker nahmen sich dabei ausreichend Zeit für die Betroffenen. Drei Viertel der Befragten berieten geschätzt bis zu zehn Minuten lang, ein Viertel der Gespräche dauerte länger.

»Nach gut fünf Jahren hat sich die Abgabe oraler Notfallkontrazeptiva in den Apotheken etabliert«, schlussfolgert Schulz. »Die Apotheker sind sich ihrer Verantwortung bewusst und nehmen diese auch wahr. Im Zweifelsfall verweisen sie die Frauen zusätzlich an den Arzt.« Diese professionelle und leitliniengerechte Beratung festige das Nutzen-Risiko-Profil der Notfallkontrazeptiva auch und gerade bei der rezeptfreien Abgabe. 

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