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Österreich
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Gruppe von Apothekern streitet mit Kammer über Impfpflicht

In einem Offenen Brief wendet sich eine Gruppe von Apothekern in Österreich mit teils abenteuerlichen Argumenten gegen die dort seit Kurzem geltende Impfpflicht. Sie sehen sich standespolitisch gegängelt und zu Linientreue gezwungen. Zudem seien Vakzine unsicher und wenig wirksam, behaupten sie. Die Apothekerkammer widerspricht.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 23.02.2022  15:00 Uhr

Impfpflicht sei »fahrlässig und unzumutbar«

Bei Covid-19 häuften sich die Widersprüche, erkennbar etwa an politischen Vorgaben wie der schwankenden Dauer des Genesenenstatus oder an den unterschiedlichen nationalen Impfempfehlungen. Dies führe zu Unsicherheit, »umso mehr, als es seitens der Apothekerkammer bereits zu Disziplinaranzeigen gegenüber Apotheker/-innen kam, welche von der Standesvertretung abweichende Meinungen vertreten hatten«, heißt es wörtlich. Aus »Angst vor beruflichen Nachteilen« wollten sie ihre Namen nicht veröffentlichen, schreiben sie. Die Unterschriften seien bei einer Juristin hinterlegt.

Eine allgemeine Impfpflicht erachten die Unterzeichnenden als »fahrlässig und unzumutbar«, weil zur Sicherheit und Wirksamkeit der Vakzine wesentliche Daten weiterhin fehlten. Ihrer Auffassung nach seien die Impfstoffe »zweifelhaft sicher«, »nur begrenzt effektiv«, »nur bedingt zugelassen« und »kaum untersucht bezüglich Wechselwirkungen«. Von der Standesvertretung wünsche man sich deshalb »ein klares Statement« gegen eine allgemeine Impfpflicht sowie gegen eine Impfpflicht für Apothekenpersonal.

Apothekerkammer bekennt sich klar zur Impfpflicht

Diesen Wunsch wird die Apothekerkammer allerdings nicht erfüllen, vielmehr positioniert sie sich gegenteilig. »Wir bekennen uns – im Einklang mit den Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums – weiterhin klar zur Notwendigkeit einer allgemeinen Impfpflicht gegen Covid-19 und im Besonderen für Apotheker/-innen und sonstige Angehörige eines Gesundheitsberufes«, teilte die Organisation auf Anfrage der PZ mit. Wie »die überwältigende Mehrheit« der Mitglieder unterstütze sie alle Maßnahmen, die die Impfrate im Land erhöhen könnten.

Dass die Autoren einen wissenschaftlichen Diskurs zu Covid-19 vermissten, sei abwegig. »Es gibt einen nationalen und internationalen äußerst lebendigen, vielschichtigen und sich stetig erweiternden wissenschaftlichen Diskurs zu den Wirkungen und Nebenwirkungen«, so die Kammer. Im Übrigen sei die Schutzimpfung gegen Covid-19 inzwischen milliardenfach verabreicht worden und zähle »zu den am umfassendsten und genauesten erforschten Vakzinen unserer Zeit«.

Dass Apotheker Patienten persönlich und fachlich fundiert »auf Basis der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse« berieten und auch über Wirkungen und möglichen unerwünschten Nebenwirkungen aufklärten, gehöre freilich zu ihren Kernkompetenzen und Aufgaben. Es sei deshalb »selbstverständlich« ihre Pflicht, potenzielle Nebenwirkungen von Arzneimitteln inklusive Vakzinen beim Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen zu melden. »Wir sehen daher in der von uns befürworteten Covid-19 Impfpflicht keinerlei Gewissenskonflikte im fachlichen Umgang mit diesem Thema.«

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