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Apothekerverein Hamburg
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Graue: Apotheken stehen vor gewaltigen Umbrüchen

Ob Globalisierung, Klimawandel, Corona oder Digitalisierung: Die kommende Regierung wird es schwer haben – auch angesichts der Tatsache, dass die »Ära Spahn im Gesundheitswesen eine holprige Schleifspur hinterlässt«, wie Jörn Graue, Chef des Hamburger Apothekervereins, bei der gestrigen Mitgliederversammlung bilanzierte.
AutorKontaktChristiane Berg
Datum 18.11.2021  11:30 Uhr
Fataler Pandemieverlauf auch wegen falscher Maßnahmen?

Fataler Pandemieverlauf auch wegen falscher Maßnahmen?

Ganz anders sehe es auf der Ebene aus, für die Bund und Länder verantwortlich sind, so Graue. Er verwies unter anderem auf nunmehr geschlossene Impfzentren trotz rasant steigender Inzidenzen, überforderte Hausärzte, erschöpftes Pflegepersonal oder eine desolate Krisen-Kommunikation seitens der Politik. Er könne sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der fatale Verlauf der Corona-Pandemie auch falschen politischen Maßnahmen zuzuschreiben sei, hob er zum Schluss seines Berichtes hervor. »Wir haben es derzeit, im zweiten Jahr der Pandemie, möglicherweise mit dem Beginn einer neuen Zeitrechnung zu tun«, konstatierte der LAV-Vorsitzende. »Eine Normalität wie früher wird es lang nicht mehr geben, auch wenn es draußen wieder Kaffee in Kännchen geben wird«, sagte er. Nicht zuletzt aufgrund »horrender finanzieller Aufwendungen« zur Pandemiebekämpfung werde die kommende Koalition große ökonomische Lasten bewältigen müssen.

Der Kassensturz, so Graue, werde »fürchterlich« sein, zumal der Bundesrechnungshof schon jetzt eindringlich darauf verweise, dass sich die Bundesfinanzen in einem kritischen Zustand befinden, und auch die Krankenkassen für das kommende Jahr bereits einen Riesenzuschuss des Bundes einfordern. Eine strikte Prioritätensetzung werde sich als unumgänglich erweisen. Denn: »Geld ist nicht für alle(s) da.«

Mit entsprechender Wertschätzung oder gar Honorierung der Leistungen der Ort-Apotheker werde daher auch zukünftig nicht zu rechnen sein – und das, betonte Graue, obwohl die lokale Apotheke die »letzte Legion« sei, die noch um den Bestand des bestehenden Versorgungsauftrags der ordnungsgemäßen Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln kämpfe. Wenn der Staat seine Aufgabe nicht wahrnehme, die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung durch die Ort-Apotheke sicherzustellen, würden »die Reste der Stabilität der Apotheke in Trümmer gelegt«, so Graues Prognose.

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